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Apotheken-Stärkungsgesetz

Viel Zuspruch vom BAH

Die Apotheker müssen in ihrer heilberuflichen Kompetenz gestärkt werden. Das betont der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) in seiner Stellungnahme zum Referentenentwurf des Apotheken-Stärkungsgesetzes. In puncto Impfen in der Offizin ist der Bundesverband jedoch skeptisch.
Jennifer Evans
09.05.2019
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Grundsätzlich sieht der BAH den Apotheker als »niedrigschwelligen Ansprechpartner und Lotsen des Patienten«, dessen heilberufliche Kompetenz es zu stärken gilt. Insbesondere mit Blick auf den demographischen Wandel begrüßt der Bundesverband, dass Apotheker künftig weitere pharmazeutische Dienstleistungen anbieten sollen sowie Folgeverordnungen beliefern dürfen. Geht es nach dem Willen des BAH sollten die einzelnen pharmazeutischen Dienstleistungen sogar konkret im geplanten Gesetz verankert werden und die Apotheker Folgerezepte nicht nur für schwerwiegende chronische Erkrankungen bis zu drei Mal abgeben dürfen, sondern auch für weitere »geeignete Arzneimittel in der Dauermedikation«.

Darüber hinaus unterstützt der BAH die Absicht von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), die freie Apothekenwahl auch nach Einführung des E-Rezepts zu erhalten. Allerdings sollte es aus Sicht der Arzneimittelhersteller zudem das grüne Rezept sowie das Privatrezept als elektronische Verordnung geben. Immerhin hätten die grünen Verordnungen im Jahr 2018 mit rund 50 Millionen Euro fast ein Drittel der Verschreibungen aller OTC-Arzneimittel ausgemacht, heißt es in der Stellungnahme.

Für essenziell erachtet der BAH außerdem den einheitlichen Apothekenabgabepreis. »Er gehört zu den maßgebenden Säulen des deutschen gesetzlichen Krankenversicherungssystems.« Selbst eine teilweise Lockerung der Preisbindung hätte erhebliche Konsequenzen zur Folge, befürchtet der Bundesverband. Beispielsweise könnte die Apothekendichte geringer werden, die Angebotsvielfalt sinken oder die Landbevölkerung Nachteile haben. Daher fordert der Bundesverband vom Gesetzgeber, in diesem Punkt eine rechtssichere Lösung zu finden, die auch in Zukunft die Gleichpreisigkeit von Arzneimitteln sicherstellt.

Wenn es um die geplanten Modellprojekte zur Grippeimpfung in Apotheken geht, ist der BAH skeptischer. Er bezweifelt, ob die Erfahrungen aus dem Ausland auch auf Deutschland übertragbar sind. Nach Auffassung der Arzneimittelhersteller fehlt hierzulande ein »übergreifendes Gesamtkonzept, um eine nachhaltige Steigerung der Impfquoten« zu erreichen. Grundsätzlich sollte die Verantwortung bei den Ärzten liegen. Andernfalls müssten die Impfungen in Apotheken hinsichtlich der Erstattung denen in Arztpraxen ausdrücklich gleichgestellt sein. Auch sollten die entsprechenden Verträge zu den Modellvorhaben, die zwischen den Kassen und Apotheken geschlossen werden, transparent und einsehbar sein, um den Impfstoff-Herstellern Planungssicherheit zu geben.

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