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Geschäftsbericht

Viel zu tun

Die ABDA war im vergangenen Jahr gefordert wie schon lange nicht mehr, resümierte Sebastian Schmitz, Hauptgeschäftsführer der ABDA, in seinem Bericht beim Deutschen Apothekertag. Es ging dabei um nicht weniger als die Frage, ob es unter den heutigen Rahmenbedingungen noch gelingen kann, die zentralen Strukturelemente der Arzneimittelversorgung zu verteidigen. Wichtigstes Thema bleibt dabei nach wie vor die Gleichpreisigkeit.
Annette Mende
Verena Schmidt
25.09.2019
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Das Bundesgesundheitsministerium habe die ABDA in den vergangenen Monaten mit einer wahren Flut an Gesetzen konfrontiert: In 16 Monaten wurden 16 Gesetzesvorhaben und zahlreiche Rechtsverordnungen auf den Weg gebracht, fasste Schmitz zusammen. Höchste Priorität für die ABDA hat dabei die Gleichpreisigkeit verschreibungspflichtiger Arzneimittel, die Schmitz zufolge zu den prägenden Elementen des Systems gehört.

Nachdem sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Dezember 2018 bei der ABDA-Mitgliederversammlung endgültig von einem Rx-Versandverbot distanziert und einen alternativen Maßnahmenkatalog präsentiert hatte, seien die Gremien des Verbands hin- und hergerissen gewesen zwischen dem wirkungsvollen Versandhandelsverbot, dessen politische Realisierbarkeit jedoch ungewiss ist, auf der einen Seite und der Chance auf ein Maßnahmenpaket, dessen Wirkung reduziert, aber dafür politisch durchsetzbar ist, auf der anderen Seite. »Diese Situation hatte das Potenzial, im Inneren zum Spaltpilz zu werden«, so Schmitz. Doch die ABDA-Gremien seien dem politischen Geschehen immer wieder mit einstimmigen Beschlüssen entgegengetreten.

Solidarität von Fall zu Fall

Die Gesetzesflut hat Schmitz zufolge – angesichts der hohen Taktzahl und der kurzen Stellungnahmefristen für die Verbände – auch den Effekt, dass die Zeit für das Schmieden von Allianzen kürzer wird. Die Meinungen innerhalb der Interessengruppen fielen nun häufiger auseinander als früher. »Alte Gewissheiten, wer Freund und wer Feind ist, lösen sich auf und wir leben mit einer Art politischen Fall-zu-Fall-Solidarität«, sagte der Hauptgeschäftsführer. Ein Beispiel: Mit der Ärzteschaft kooperierten die Apotheker gut bei der Einführung des elektronischen Rezepts, bei den den pharmazeutischen Dienstleistungen laufen die Meinungen der beiden Heilberufe jedoch auseinander.

Der Politikstil von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn stelle die ABDA vor besondere Herausforderungen. Eigene Vorschläge und Aktivitäten würden immer wichtiger. »In diesem lebhaften Umfeld können wir uns nur behaupten, wenn wir thematisch und argumentativ die Nase vorn haben«, sagte Schmitz. Dies sei der ABDA bei zentralen Themen wie der Gleichpreisigkeit, den pharmazeutischen Dienstleistungen und dem E-Rezept gelungen. »Wir haben die Themen auf die politische Agenda gebracht und wir halten sie dort«, sagte er.

Das große Ganze

Der Wille der Regierung, möglichst viele spürbare Veränderungen herbeizuführen, berge die Gefahr, dass Veränderungen nur um ihrer selbst willen und ohne Rücksicht auf übergeordnete Interessen vorgenommen werden. Als Beispiel nannte er unter anderem das PTA-Reformgesetz. »Auch hier realisiert sich die Gefahr, einzelne durchaus nachvollziehbare Interessen nach vorne zu stellen«, so Schmitz. Dabei könne man jedoch »das große Ganze« aus den Augen verlieren.

So müsse man laut Schmitz etwa die Idee, dass der Apothekenleiter unter bestimmten Voraussetzungen auf die Aufsicht der PTA verzichten darf, vor allem bei der Abgabe von Arzneimitteln auf Rezept kritisch hinterfragen. »Es ist ein Denkfehler, davon auszugehen, dass praktikable Kriterien definiert werden könnten, anhand derer eine PTA in jedem Einzelfall sicher erkennen kann, wann die Grenzen ihrer eigenverantwortlichen Tätigkeit erreicht sind und ein Apotheker hinzugezogen werden muss«, führte Schmitz aus. Hier könne eine Sicherheitslücke für die Patienten entstehen. Diese Risiken zu vermeiden, dürfe nicht hinter das Ziel des Gesetzgebers gestellt werden, die Tätigkeit der PTA attraktiver zu gestalten und den Beruf zu stärken.

Pharmazeutische Dienstleistungen

Schmitz erinnerte daran, dass der Apothekertag vor fünf Jahren das Perspektivpapier »Apotheke 2030« verabschiedet hat – »ein kleines Jubiläum«. Das Perspektivpapier gibt mit seiner heilberuflichen Ausrichtung klar die Richtung vor, in die sich die Apothekerschaft in Deutschland entwickeln will. Keine Apotheke könne es sich aber leisten, zeitaufwendige Dienstleistungen wie ein Medikationsmanagement ohne angemessene Honorierung anzubieten. »Von strategischen Zielen allein kann man schließlich nicht leben«, sagte Schmitz.

Die neuen Regelungen im Entwurf des Apotheken-Stärkungsgesetzes könne man daher als wichtigen Durchbruch bewerten. Anders als bei früheren Vereinbarungen zur pharmazeutischen Betreuung, die regional oder auf einzelne Kassen beschränkt gewesen seien, bestehe nun zum ersten Mal ein Anspruch aller Versicherten auf bestimmte Dienstleistungen. Zudem gebe es erstmals ein definiertes Finanzvolumen. Es sei somit keine Entscheidung der Kassen, ob sie dafür Geld ausgeben wollen oder nicht. »Auch wenn das Gesamtvolumen sicher noch zu niedrig ist: Der Anfang wäre damit gemacht«, sagte Schmitz.

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