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US-Sanktionen

Versorgungskrise im Iran befürchtet

Die Öl-Sanktionen seitens der USA machen dem Iran nicht nur wirtschaftlich zu schaffen. Sie haben auch Auswirkungen auf die Versorgung mit Medikamenten, berichtet das Fachjournal »The Lancet«.
Jennifer Evans
23.08.2019
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Welche Bedeutung die US-Sanktionen, die im November 2018 gegen den Iran verhängt worden waren, für die Arzneimittel-Versorgung der Bevölkerung haben, ist dem Bericht des Fachjournals »The Lancet« zufolge völlig aus dem Blick geraten. Demnach haben zuletzt knapp sechs Millionen Patienten, die eine nicht-übertragbare Krankheit haben, nicht die benötigte Therapie bekommen.

Der Iran habe aufgrund dieser Entwicklung finanzielle Ressourcen mobilisiert, um die Preise für essenzielle Produkte und Medikamente in Schach zu halten sowie deren Beschaffung und Vertrieb neu zu organisieren, heißt es. Nach den jüngsten Überflutungen hat sich die Situation vor Ort allerdings noch einmal verschärft. »Es besteht ein hohes Risiko für den Iran, auf eine ernsthafte Krise mit Blick auf die Gesundheitsversorgung im Land zuzusteuern. Diese könnte ebenfalls die Erkrankungs- sowie die Sterblichkeitsrate stark beeinflussen. Und das in einem Land, das so nah einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung war«, heißt es in dem Bericht.

Als ein Beispiel führt das Journal Probleme bei der Spezialnahrung für Säuglinge mit Nahrungsmittelallergien an. Die Kosten dafür seien zuletzt um das 14-Fache gestiegen. Daraufhin hat das iranische Gesundheitsministerium eine Datenbank ins Leben gerufen, in der die betroffenen Kinder mit Allergien vermerkt sind. Für diese beschaffte die Behörde Vorräte für zehn Monate. Für alle anderen Säuglinge, die keine besondere Nahrung benötigten, waren demnach innerhalb von vier Tagen die Vorräte für zwei Monate ausverkauft. Dieses Szenario zeige deutlich, wie Menschen auf die Knappheit von Nahrungsmitteln und auch Medikamenten reagierten, heißt es. Sanktionen lösten nämlich nicht allein Effekte im politischen Umfeld aus, sondern beeinträchtigen auch die Gesundheit der Bevölkerung. Darüber hinaus stellt die Situation die Behörden vor die große Herausforderung, wieder eine stabile Versorgung herstellen zu können. Das ist im Iran besonders schwer, weil der Bedarf an Pharmazeutika bereits vor der aktuellen Situation kaum zu decken gewesen war, weil das Land mit der steigenden Lebenserwartung der Bevölkerung sowie Wohlstandskrankheiten zu kämpfen hat.

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