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Venöse Thromboembolien
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Verordnungszahlen risikoarmer hormoneller Kontrazeptiva

Seit 2014 wird zunehmend Wert darauf gelegt, bevorzugt hormonelle Kontrazeptiva mit möglichst niedrigem Thromboserisiko zu verordnen. Die Behörden haben sich nun angeschaut, wie das bei Verordnungen für junge Frauen und Mädchen umgesetzt wird.
AutorKontaktJohanna Hauser
Datum 06.04.2026  10:00 Uhr

Seit Jahrzehnten kommen hormonelle Verhütungsmittel, die sowohl eine Estrogen- als auch eine Gestagenkomponente (Kombipräparate) erhalten, im Einsatz. Die verschiedenen Präparate unterscheiden sich in ihrem Risiko für venöse Thromboembolien (VTE), was vor allem auf die unterschiedlichen Gestagenkomponenten zurückzuführen ist. 2014 gab es einen Rote-Hand-Brief, der insgesamt ein geringes VTE-Risiko der kombinierten hormonellen Kontrazeptiva bestätigte und zugleich drei Wirkstoffe als Gestagene mit dem geringsten Risiko identifizierte. 

Die Einteilung des Risikos erfolgt in sogenannte VTE-Risikoklassen:

  • Klasse I (niedrigstes Risiko): Levonorgestrel, Norethisteron, Norgestimat
  • Klasse II: Etonorgestrel, Norelgestromin, Chlormadinon in Kombination mit Ethinylestradiol (seit Februar 2024; zum Studienzeitpunkt noch Klasse X/U)
  • Klasse III (höchstes Risiko): Drospirenon, Gestoden, Desogestrel, Dienogest
  • Klasse X/U (Risiko unbekannt): Nomegestrol/Estradiol, Dienogest/Estradiolvalerat, Drospirenon/Estetrol

Im aktuellen Bulletin zur Arzneimittelsicherheit von Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) wurden nun Daten einer neuen Untersuchung veröffentlicht. Auslöser war ein Rote-Hand-Brief des BfArM aus dem Jahr 2021, in dem daran erinnert wurde, bevorzugt Präparate mit dem niedrigsten bekannten VTE-Risiko zu verordnen. Forschende des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) in Bremen und der PMV Forschungsgruppe der Universität Köln sollten untersuchen, ob die entsprechenden Warnungen etwas bewirkt haben. 

Der Fokus der Auswertung lag auf Mädchen und jungen Frauen, bei denen sich die Verordnung hormonaler Kontrazeptiva wegen der Erstattungsfähigkeit anhand von Krankenkassendaten abbilden lässt.

Ein Drittel weniger Verordnungen

Im Untersuchungszeitraum (2013 bis 2022) nahm das Verordnungsvolumen hormoneller Kontrazeptiva insgesamt deutlich ab: von 217 täglichen Dosen pro 1000 Mädchen/Frauen im Jahr 2013 auf 141 im Jahr 2022, wobei dieser Trend in den Jahren 2021 und 2022 besonders ausgeprägt gewesen sei.

Der Anteil des Verordnungsvolumens der risikoreichsten Klasse-III-Präparaten sank von 46 Prozent auf 35 Prozent. Hier war stärkste Rückgang mit einer Abnahme von 5 Prozent in den Jahren 2015/2016 zu verzeichnen, also unmittelbar nach dem ersten Rote-Handbrief im Jahr 2014. Dazu könnte aber vor allem die große mediale Aufmerksamkeit infolge des im Oktober 2015 veröffentlichten »Pillenreports« der Techniker Krankenkasse beigetragen haben, schreiben die Autoren.

Die Klasse-I-Präparate hingegen wiesen eine ansteigende Zahl an Verordnungen auf, von ungefähr 33 Prozent auf unter 47 Prozent. Der auffälligste Anstieg entfiel mit einem Plus von 7 Prozent ebenfalls auf die Jahre 2015/2016. Die Verordnungszahlen der Klasse-II-Präparate, in die nur der Vaginalring und das Pflaster fallen, stiegen leicht von 2 Prozent auf ein weiterhin niedriges Niveau von 6 Prozent.

Eine Zunahme zeigten auch die hormonellen Kontrazeptiva, deren Risiko noch nicht abschließend geklärt ist (Risikoklasse X/U). Hier fiel der Anteil zuerst von 2013 bis 2020 von 19 auf 11 Prozent. Nach der Einführung einer neuen Wirkstoffkombination (Drospirenon/Estetrol) im Jahre 2021 stiegen die Zahlen in dieser Klasse wieder auf 13 Prozent an.

Anteil an Niedrig-Risiko-Verordnungen weiter erhöhen

Ein Rückgang im Gesamtverordnungsvolumen in den Jahren 2021 und 2022 betraf nicht speziell Präparate der Risikoklasse III. Daher gibt es laut Autorenteam auf Basis der vorliegenden Daten keine klaren Hinweise darauf, dass der Rote-Hand-Brief vom September 2021 zu einem verstärkten Wechsel von Präparaten mit höherem zu solchen mit niedrigerem VTE-Risiko führte.

»Insgesamt legen die Ergebnisse nahe, dass trotz des beobachteten Rückgangs im Verordnungsvolumen, was die Gesamtgruppe der kombinierten hormonalen Kontrazeptiva betrifft, weiterhin Potenzial besteht, den Anteil der Präparate mit dem niedrigsten VTE-Risiko bei den Verordnungen zu erhöhen«, so das Fazit der Autoren.

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