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Ständige Müdigkeit
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Ursachensuche an erster Stelle

Das Gefühl von Müdigkeit und Erschöpfung kennt jeder. Nachvollziehbare Gründe und einfache Maßnahmen, um aus dem Tief wieder herauszukommen, auch. Doch was ist zu unternehmen, wenn ständige Müdigkeit einen plagt und die Ursache nicht offensichtlich ist?
AutorKontaktDaniel Finke
Datum 03.12.2023  08:00 Uhr

Tumorassoziierte Fatigue

In Deutschland wird der Begriff »Fatigue« hauptsächlich im Zusammenhang mit malignen Erkrankungen verwendet, zum Beispiel bei tumorassoziierter Fatigue.

Oft treten Müdigkeit, Schwächegefühl und mangelnde Leistungsfähigkeit im zeitlichen oder kausalen Zusammenhang mit malignen Tumorerkrankungen oder deren Behandlung auf. Daher fassen viele Onkologen diese Symptome als eigenständige Erkrankung auf (Cancer-related Fatigue, CrF). Müdigkeit kann zu jedem Zeitpunkt der Krebserkrankung auftreten, aber es sind nicht alle Krebspatienten gleichermaßen gefährdet. Patienten mit Leukämie, Mamma- und Pankreaskarzinom sind besonders betroffen.

Die tumorassoziierte Fatigue ist sehr variabel und kann auf der physischen Ebene alle Formen von Schwächegefühl und schneller Ermüdbarkeit und auf der psychischen und kognitiven Ebene Antriebslosigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen hervorrufen. In der Folge geraten die Patienten in einen Teufelskreis aus Erschöpfung, Angst und Vermeidung von Aktivität und Anstrengung, sozialem Rückzug, dem Gefühl von Hilflosigkeit und depressiver Verstimmung (7) (Grafik).

Zu den auslösenden Faktoren zählen neben direkten Tumorsymptomen wie Schmerzen auch eine Tumoranämie oder -kachexie, Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsverlust. Nebenwirkungen der Tumortherapie, vor allem auf das Immun- und zentrale Nervensystem, Bewegungsmangel oder Ernährungsstörung mit Verminderung der Skelettmuskelmasse sind weitere mögliche Ursachen. In biochemischen Erklärungsmodellen werden hypothalamisch-hypophysäre Regelkreise, das serotonerge System des ZNS, die circadiane Melatonin-Sekretion und der Schlaf-Wach-Rhythmus näher betrachtet (8). Auch die Expression proinflammatorischer Zytokine und die Signaltransduktion in B-Lymphozyten spielen eine wichtige Rolle.

Macht Eisenmangel müde?

Bedingt durch einen Eisenmangel wird im Körper nicht ausreichend Hämoglobin gebildet, wodurch die Sauerstoffkapazität der Erythrozyten und die Sauerstoffversorgung der Organe und Gewebe abnehmen. Der Körper versucht, diesen hypoxischen Zustand mit einem erhöhten Herzzeitvolumen zu kompensieren. Neben Blässe von Haut und Schleimhaut zählen vor allem Fatigue-Symptome wie Müdigkeit, Leistungsabfall und Konzentrationsstörungen sowie Kreislaufsymptome, darunter Tachykardie, Belastungsdyspnoe und Schwindel, zum klassischen Bild der chronischen Eisenmangelanämie.

Patienten mit diagnostiziertem Mangel können von einer bevorzugt oralen Eisensubstitution profitieren. Es ist unwahrscheinlich, dass eine Substitution bei ansonsten gesunden Personen ohne schweren Eisenmangel oder Anämie das Müdigkeitsproblem löst. Die Leitlinienautoren warnen zudem vor dem Risiko der Fixierung auf einen inadäquaten Lösungsansatz.

Oder liegt doch ein Kalium- oder Vitamin-D-Mangel vor, wie es (allzu) häufig vermutet wird? Die Evidenz ist durchwachsen. So ist zwischen Kaliumspiegel oder einem Vitamin-D-Defizit und Müdigkeit kein Zusammenhang feststellbar (2).

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