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Entwicklungsländer

Unterernährung und Übergewicht gehen Hand in Hand

Von der «doppelten Bürde der Mangelernährung» sprechen Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und meinen damit das in vielen Regionen vorhandene Nebeneinander von Überernährung, die zu Fettleibigkeit führt, sowie Unterernährung, die das Wachstum hemmt und die Gesundheit schwächt. 
dpa
17.12.2019  13:42 Uhr

Schlechte Ernährung belastet laut neuen Studie die Gesundheit der Bevölkerung vieler armer Länder gleich in mehrfacher Hinsicht. Neue Erkenntnisse wurden am Montag im Fachmagazin «The Lancet» veröffentlicht. Laut dem Bericht treten in einem Drittel der ärmeren Länder der Welt beide Probleme gleichzeitig auf, und zwar in allen Bevölkerungsschichten.

Nach Schätzung der Autoren sind fast 2,3 Milliarden Menschen übergewichtig – ein knappes Drittel der Weltbevölkerung. Gleichzeitig sei bei mehr als 150 Millionen Kindern das Wachstum aufgrund von Mangelernährung gehemmt, besonders in Ländern im Subsahara-Gebiet und Südasien. Es lägen neue «Ernährungsrealitäten» vor, erklärte der Leiter der WHO-Ernährungsabteilung, Francesco Branca, als führender Autor der Studie. «Wir können Länder nicht mehr einteilen in jene mit niedrigen Einkommen und Unterernährung, und jene mit hohen Einkommen, die ausschließlich von Übergewichtigkeit betroffen sind.»

Die Formen der Mangelernährung haben demnach dieselben Ursachen: Der weltweite Zugang zu Fertiggerichten, also stark weiterverarbeitetem Essen, weniger Märkte mit frischer Kost sowie die Macht der Supermärkte über die Lebensmittelkette. Diesen Problemen kann nach Ansicht der Experten nur ein «tiefgreifender Wandel des Nahrungssystems» begegnen – von der Herstellung über die Weiterverarbeitung und Verteilung bis hin zu Verbrauch und Entsorgung.

Der Bericht spricht sich auch fürs Stillen aus sowie für den Konsum von mehr Obst und Gemüse sowie weniger Fleisch. Auch sollte auf Speisen mit allzu viel Zucker, Fett und Salz verzichtet werden.

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