Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Fixiert aufs Smartphone
-
Unsichere Kinder durch abgelenkte Eltern

Die Gesellschaft macht sich Sorgen, dass eine übermäßige Smartphone-Nutzung negative Folgen für Jugendliche haben könnte. Doch auch das Nutzungsverhalten der Eltern kann den Heranwachsenden schaden.
AutorKontaktBarbara Döring
Datum 01.07.2026  09:00 Uhr

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich mit dem Einfluss digitaler Medien auf die psychische Gesundheit beschäftigen, registrieren zunehmend, dass Jugendliche Probleme mit der Smartphone-Nutzung ihrer Eltern oder anderer Betreuungspersonen haben. So berichtet der Medienpsychologe Dr. Don Grant vom Center for Research and Innovation beim Newport Healthcare in einem Beitrag in »Frontiers in Psychology«, dass seine jugendlichen Klienten seit etwa zehn Jahren zunehmend über ihre negativen Gefühle gegenüber dem Nutzungsverhalten ihrer Eltern berichten und auch Kinder entsprechende Sorgen in Familienberatungen einbringen.

In einer Studie gaben Kinder und Jugendliche zudem an, dass sie mit dem Smartphone ihrer Eltern um Aufmerksamkeit konkurrieren müssten. Mit einer eigenen Untersuchung wollte Grant mit Kollegen und Kolleginnen herausfinden, ob das Verhalten der Eltern den Bindungsstil ihrer Kinder beeinflusst, also die Art, wie sie mit anderen Menschen umgehen.

Eine unsichere Bindung ist mit einer schlechteren psychischen Gesundheit korreliert. Menschen mit unsicherem Bindungsstil können ängstlich sein und klammern, um Zuwendung zu erhalten, oder sie vermeiden Beziehungen, um seelische Verletzungen zu minimieren. Dagegen führen Menschen mit sicherem Bindungsstil in der Regel erfolgreichere Beziehungen und haben ein größeres Wohlbefinden.

Bindungsstil wandelbar

Die Basis für das Bindungsverhalten wird normalerweise schon in frühster Kindheit gelegt. Doch aus einem Kind mit sicheren Bindungsstil kann dennoch ein Jugendlicher mit unsicherem werden. Für die Untersuchung entwickelten die Forschenden eine Skala, mit der die 600 Teilnehmenden im Alter von 12 bis 17 Jahren ihre Gefühle bezüglich der Gerätenutzung ihrer Betreuerinnen und Betreuer bewerteten und angaben, wie diese Aufmerksamkeit, Verfügbarkeit und Interaktion beeinflussen. Hohe Werte auf der Skala bedeuteten, dass die Jugendlichen starke Einschränkungen durch die Smartphone-Nutzung der Eltern empfanden.

Die Studie zeigt: Je höher die Werte auf der Skala, umso stärker ausgeprägt waren ängstliche als auch vermeidende, unsichere Bindungen. Laut Grant ist das Problem offenbar deutlich präsenter als vermutet. Gerade Millennials sollten sich der Ergebnisse bewusst sein, da sie als erste »digital native«-Generation potenziell anfälliger für eine Smartphone-Abhängigkeit seien. Da sie nun selbst Eltern würden, sollten sie über die Gefahren informiert sein, um eine Bindungsunsicherheit ihrer Kinder zu vermeiden.

Sie müssten nicht immer, wenn ein Kind um Aufmerksamkeit bittet, alles stehen und liegen lassen, aber sie sollten entsprechende Signale wahrnehmen und darauf reagieren. Sinnvoll wäre auch, die eigene Smartphone-Nutzung kritisch zu hinterfragen.

Mehr von Avoxa