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Brustkrebs-Bluttest

Uniklinik rudert zurück und will aufarbeiten

Diese Meldung sorgte vor etwa einem Monat für Wirbel: Ein neuer Bluttest auf Brustkrebs komme noch in diesem Jahr auf den Markt. Nun rudert die Uniklinik Heidelberg zurück, will den Vorgang aufarbeiten und entschuldigt sich.
dpa
PZ
26.03.2019
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Außerdem setzt die Klinik nach einigen Angaben bereits eine interne Arbeitsgruppe ein. Jetzt soll zusätzlich eine unabhängige Kommission aus überwiegend externen Experten zur Aufarbeitung der umstrittenen PR-Kampagne um den Bluttest beitragen. So sollten neue Regeln in Bezug auf »wirtschaftliche, wissenschaftliche, ethische und publizistische Fragen« erstellt werden, die Firmenausgründungen der Universität künftig zu beachten hätten, sagte Kliniksprecherin Doris Rübsam-Brodkorb der Deutschen Presse-Agentur.

Das Unternehmen Heiscreen, eine Ausgründung der Uniklinik, hatte im Februar einen neuen Brustkrebs-Bluttest angekündigt. An der Firma sind Mitarbeiter des Krankenhauses finanziell beteiligt. In einer Pressemitteilung, die auch das Logo der Uniklinik trug, war von »einem Meilenstein in der Brustkrebsdiagnostik« die Rede. Die Markteinführung sei »noch in diesem Jahr geplant«.

Kritik von Fachgesellschaften

An dem Vorgehen gab es daraufhin deutliche Kritik von Fachgesellschaften, Medizinern und Statistikern. Unter anderem, weil die Ergebnisse der Studie bis heute nicht in einem begutachteten Fachjournal publiziert sind, wie es in der wissenschaftlichen Praxis üblich ist. Zudem wurde bemängelt, dass entscheidende Daten zum Nutzen des Tests fehlten. Bei einer Pressekonferenz wollte Projektleiter Professor Christof Sohn trotz Nachfrage nicht sagen, wie hoch die Rate der falsch positiven Ergebnisse der Liquid Biopsy ist - also bei wie vielen gesunden Frauen das Verfahren fälschlicherweise Alarm auslöst. Diese Zahl ist für die Bewertung eines Diagnoseverfahrens zwingend notwendig. Gegenüber der »Rhein-Neckar-Zeitung« gab Sohn nun den Anteil der Fehlalarme mit 30 Prozent an.

Das Diagnoseverfahren könne zwar Ende des Jahres im Routinelabor eingesetzt werden, sagte Rübsam-Brodkorb. Damit sei der Test, der in Blutproben Botenstoffe von Tumorzellen detektieren soll, aber noch nicht auf dem Markt. Erst müssten Vertriebswege und Kostenübernahme durch die Krankenkassen geklärt werden. Die Uniklinik entschuldige sich bei Frauen, die sich womöglich falsche Hoffnungen auf eine rasche Nutzung des Tests gemacht hätten, ergänzte die Kliniksprecherin. »Das bedauern wir sehr.«

Zudem distanzierte sich die Uniklinik von der PR-Strategie zum Bluttest. Die Medienbegleitung habe Heiscreen verantwortet, sagte Rübsam-Brodkorb. Allerdings veröffentlichte die Uniklinik die Mitteilung auf ihrer Webseite. Sohn sagte der »Rhein-Neckar-Zeitung«, er sei mit 4 Prozent an Heiscreen beteiligt, seine Uniklinik-Kollegin Professor Sarah Schott mit mehr als 7 Prozent.

Bislang basiert die Früherkennung von Brustkrebs vor allem auf regelmäßigem Abtasten und dem Mammografie-Screening, einer Röntgenuntersuchung der Brust. Brustkrebs ist laut Zentrum für Krebsregisterdaten des Robert Koch-Instituts mit rund 69.000 Neuerkrankungen jährlich die mit Abstand häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts starben im Jahr 2016 insgesamt 18.570 Frauen an Brustkrebs.

 

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