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Stumme Herzinfarkte

Unauffällig, aber nicht ungefährlich

Viele Herzinfarkte verlaufen so unauffällig, dass sie nicht diagnostiziert werden. Diese stummen Herzinfarkte sind deswegen aber nicht ungefährlich, sondern haben eine schlechte Langzeitprognose. Zehn Jahre nach einem undiagnostizierten Herzinfarkt ist die Mortalität genauso hoch wie nach einem diagnostizierten.
Christina Hohmann-Jeddi
25.10.2018  16:48 Uhr

Wie häufig stumme Herzinfarkte sind und wie sich diese langfristig auswirken, sollte die von der isländischen Herzgesellschaft Hjartavernd initiierte Iceland MI-Studie klären. Für diese wurden ab 2004 insgesamt 936 Bewohner von Reykjavik im Alter von 67 bis 93 Jahren mittels EKG und kardiovaskulärer Magnetresonanztomografie (MRT) untersucht. Etwa 10 Prozent von ihnen hatten einen diagnostizierten Herzinfarkt überstanden, bei weiteren 17 Prozent der Probanden wurden in der Untersuchung Zeichen eines stummen Herzinfarkts entdeckt. Somit verlaufen fast zwei Drittel der Herzinfarkte subklinisch und werden in der medizinischen Routineuntersuchung übersehen.

Wie gefährlich diese stummen Herzinfarkte sind, zeigt nun die aktuelle Auswertung der Langzeitdaten, die Dr. Tushar Acharya und Kollegen von der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde NIH in Bethesda zusammen mit Forschern der isländischen Herzgesellschaft im Fachjournal »JAMA Cardiology« veröffentlichten. Demnach lag die Sterblichkeit der Patienten mit stummem Herzinfarkt in den ersten drei Jahren der Untersuchung noch auf selber Höhe wie die der Probanden ohne Herzinfarkt – nämlich bei 3 Prozent, und damit deutlich niedriger als bei den Herzinfarkt-Patienten (9 Prozent). Nach dem vierten Jahr stieg die Mortalität in der Gruppe mit stummem Infarkt aber allmählich an und erreichte dann schließlich das Niveau der Herzinfarkt-Gruppe. Nach zehn Jahren Beobachtungsdauer war die Sterblichkeit in der Gruppe mit stummem Infarkt mit 49 Prozent statistisch nicht mehr von der Mortalität der Herzinfarkt-Gruppe (51 Prozent) zu unterscheiden. Sie lag damit deutlich höher als in der Gruppe der Probanden ohne Herzinfarkt (30 Prozent).

Da stumme Herzinfarkte – zumindest in dieser Untersuchung – häufiger vorkommen als klinisch auffällige Infarkte, Betroffene aber keine Sekundärprophylaxe erhalten, stellen sie ein unterschätztes Gesundheitsproblem dar, schreiben die Forscher in der Publikation. Ob die Überlebenschancen der Patienten mit subklinischem Infarkt durch frühe Diagnose und Intervention verbessert werden können, müsse in weiteren Untersuchungen erforscht werden.

Foto: Shutterstock/Monkey Business Images

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