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Weltblutkrebstag

Überlebenschancen für krebskranke Kinder steigen weiter

Jedes Jahr bekommen etwa 700 Kinder in Deutschland die Diagnose Leukämie. Vor wenigen Jahrzehnten war dies praktisch ein Todesurteil. Inzwischen überleben die meisten Kinder diese Krankheit, auch dank immer neuer Therapieoptionen.
PZ/dpa
28.05.2020  09:00 Uhr

«Jedes Jahr werden in Deutschland fast 700 Kinder mit Blutkrebs diagnostiziert», berichtet Simone Henrich von der Knochenmarkspenderdatei DKMS. Die Leukämie mache fast die Hälfte aller neu festgestellten Krebserkrankungen bei Kindern in Deutschland aus, so Henrich. «Die Symptome sind oft nicht anders als bei Krankheiten, die sehr häufig sind in dem Alter, wie etwa Erkältungskrankheiten und Infektionen», erklärt der Kinderonkologe Professor Dr. Thomas Klingebiel, zum Beispiel stark angeschwollene Lymphknoten. Ein niedergelassener Kinderarzt sehe in seinem Berufsleben vielleicht zwei bis drei Kinder mit Leukämie, so selten sei die Krankheit. Langfristig könne man sie aber nicht übersehen, weil die Kinder sehr krank würden, so der Direktor der Kinderklinik am Universitätsklinikum Frankfurt am Main.

Dass Kinder die Chemotherapie trotz Nebenwirkungen in der Regel insgesamt gut vertragen, sei kein Zufall, so der Arzt. Schließlich sei das Behandlungsschema in den 1970er-Jahren für Kinder entwickelt worden. «Es ist eine große Erfolgsgeschichte. Aus einer unheilbaren Krankheit ist eine Krankheit mit einer etwa 90-prozentigen Überlebensrate geworden.» Für Erwachsene sei die Therapie übernommen worden. Das Behandlungsschema habe sich als so erfolgreich erwiesen, dass es in den meisten Ländern genutzt werde.

«Bei akuten lymphatischen Leukämien (ALL) haben wir inzwischen eine Überlebensrate von 90 Prozent», sagt Klingebiel. Ein Rückfall sei inzwischen relativ selten. «Er trifft weniger als 20 Prozent der Patienten.» Wirkt die Chemotherapie nicht oder kommt es zu einem Rückfall, ist die Stammzelltherapie eine Behandlungsmöglichkeit. Die DKMS ist die größte Spenderdatei – insgesamt gibt es in Deutschland 26 Dateien. Allein bei der DKMS sind 6,6 Millionen Menschen in Deutschland registriert, berichtet Henrich. Insgesamt seien es rund neun Millionen Menschen. «Noch immer findet jeder zehnte Patient in Deutschland keinen passenden Spender. Das ist der Grund, weshalb wir so viele freiwillige Stammzellspender benötigen», erläutert Henrich. «Die Stammzelltherapie ist eine wichtige Säule in der Behandlung, aber nicht die letzte Chance, wie oft gesagt wird», betont Klingebiel.

In den vergangenen Jahren seien vielversprechende Ansätze entwickelt worden, etwa die Immuntherapie mit dem Wirkstoff Blinatumomab (Blincyto®). «Die Immuntherapie ist mittlerweile auch bei uns in der klinischen Forschung angekommen», so Klingebiel. «Wir arbeiten daran herauszufinden, in welcher Phase der Behandlung das Medikament am besten einzusetzen ist.» Blinatumomab ist ein gentechnisch hergestellter Antikörper, der sich an den Tumorzellen und den T-Zellen, Abwehrzellen des Immunsystems, festhakt, damit letztere erstere bekämpfen können.

Auch von der sogenannten CAR-T-Zelltherapie wisse man, dass sie gerade bei Kindern mit einem Rückfall hocheffektiv sei, so Klingebiel. Bei dieser Therapie werden T-Zellen so verändert, dass sie die Leukämie als Bedrohung identifizieren und bekämpfen können, was sie normalerweise nicht schaffen. «Weltweit arbeiten Wissenschaftler an der Frage, ob man damit bei einem Rückfall die Stammzelltherapie teilweise ersetzen kann», so Klingebiel.

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