| Daniela Hüttemann |
| 26.06.2026 07:00 Uhr |
Von solchen Lactobazillen hätte man gerne mehr im Darm. / © Getty Images/Science Photo Library/Kateryna Kon
Jedes Darmmikrobiom ist anders, zumal es sich bei jedem Menschen auch im Laufe des Lebens verändern kann – wobei der Grundtyp relativ stabil ist, informierte Mikrobiologin Dr. Elke Jaspers im Rahmen einer Pressekonferenz von Symbiopharm kurz vor dem Welt-Mikrobiom-Tag am 27. Juni.
»Was im Darm passiert, wirkt sich auf den ganzen Körper aus. Ohne Bakterien funktionieren wir nicht. Sie tun uns viel Gutes«, so Jaspers. Dabei sollte man auch das Darmmikrobiom ganzheitlich betrachten. Es sei nicht nur die eine bestimmte Spezies, die eine Art Dienstleistung für uns erbringt, sondern ganze Gruppen, die zum Beispiel einen Säurefilm bilden, ergänzte die praktisch tätige Ärztin Dr. Victoria Rosenbach.
»Bakterien sind Egoisten. Sie wollen damit Konkurrenz abhalten«, erklärte die Referentin. Davon profitieren jedoch auch die menschlichen Epithelzellen, da der Säurefilm eine Schutzschicht bildet – vor pathologischen Erregern oder auch der physiologischen »faulen Verwandtschaft«, die eher entzündungsfördernd wirkt und nicht die gesünderen Bakterien überwuchern soll. Darmbakterien spielen unter anderem auch eine wichtige Rolle für die Verdauung und das Immunsystem.
Wenn man die nützlichen Bakterien anregen will, sollte man möglichst viele von diesen Leistungsträgern als Probiotikum geben. Die Referentinnen empfahlen eine gezielte Auswahl gut untersuchter Präparate mit definierten Stämmen. Zu den Säurebildnern gehören laut Jaspers unter anderem Lactobazillen, Bifidobakterien und Faecalibacterium prausnitzii.
Eine Probiotika-Gabe können beispielsweise sinnvoll sein, wenn eine Antibiose ansteht. Damit sollte man nicht erst bis zum Ende der Antibiotika-Therapie warten. »Dann ist der Kollateralschaden im Darm bereits groß«, so Rosenbach. Die Ärztin empfahl, die Probiotika-Einnahme mit der Antibiose zu starten, aber zeitversetzt: Erst das Antibiotikum, anderthalb Stunden später das Probiotikum.
Auch bei Reizdarm-Patienten können Probiotika versucht werden. Sie hätten den Vorteil, dass sie nicht symptomspezifisch eingesetzt werden müssen, zum Beispiel nur bei Durchfall oder nur bei Verstopfung, da sie insgesamt regulativ wirken. Jaspers nannte hier das dazu gut untersuchte Bifidobacterium animalis ssp. lactis BB-12.
Eine temporäre Anwendung allein habe allerdings keinen dauerhaften Effekt. »Kein Probiotikum der Welt siedelt sich für das ganze Leben an«, so Jaspers. Die Grundlage bilde immer eine gesunde, ballaststoff- und phenolreiche Ernährung, waren sich die beiden Referentinnen einig, denn sie liefert das richtige Futter für die mikroskopisch kleinen Mitbewohner.