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Brustkrebs

Tucatinib in der EU zugelassen

Der Kinasehemmer Tucatinib (Tukysa® Filmtabletten von Seagen) ist nun in der EU zugelassen. Die EU-Kommission genehmigte das Inverkehrbringen des Wirkstoffs zur Behandlung bei Brustkrebs. Tucatinib wird immer mit zwei anderen Krebsmedikamenten kombiniert.
Sven Siebenand
01.03.2021  11:00 Uhr

Der neue Kinasehemmer Tucatinib soll in Kombination mit Trastuzumab und Capecitabin bei Erwachsenen mit HER2-positivem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs eingenommen werden, wenn die Patientinnen zuvor bereits mindestens zwei andere Anti-HER2-Therapien erhalten haben.

Angriffspunkt von Tucatinib ist die intrazelluläre Tyrosinkinase-Domäne des HER2-Rezeptors. In Tests zur zellulären Signalübertragung erwies sich Tucatinib als mehr als 1000-fach selektiver für HER2 im Vergleich zum epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor (EGFR). Ganz neu ist das Wirkprinzip von Tucatinib aber nicht. Der ebenfalls bei Brustkrebs zugelassene Kinasehemmer Lapatinib (Tyverb®) greift unter anderem auch an der intrazellulären Tyrosinkinase-Domäne des HER2-Rezeptors an. Egal ob durch Tucatinib oder einen anderen Kinasehemmer: Wird die Phosphorylierung von HER2 gehemmt, führt dies zur Blockade nachgelagerter Zellsignalübertragung und Zellproliferation und infolgedessen zum Absterben von Tumorzellen, deren Wachstum durch HER2 gesteuert wird. Untersuchungen zeigen, dass die Kombination von Tucatinib und dem gegen den HER2-Rezeptor gerichteten Antikörper Trastuzumab im Vergleich zur alleinigen Anwendung jedes der Arzneimittel sowohl in vitro als auch in vivo eine verstärkte Antitumorwirkung bewirkte.

Die empfohlene Dosis beträgt 300 mg Tucatinib (zwei 150-mg-Tabletten) zweimal täglich. Eine gleichzeitige Anwendung mit starken CYP2C8-Inhibitoren, etwa Gemfibrozil, ist zu vermeiden. Ist dies nicht möglich, sollte die Anfangsdosis von Tucatinib auf 100 mg oral zweimal täglich verringert werden. Auch eine gleichzeitige Anwendung mit einem starken CYP3A-Induktor oder einem moderaten CYP2C8-Induktor sollte vermieden werden.

Sehr häufige Nebenwirkungen von Tucatinib sind Nasenbluten, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Stomatitis, Ausschlag, Arthralgie, erhöhte Konzentrationen von Leberenzymen und Bilirubin sowie Gewichtsabnahme.

Tukysa darf während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, dass eine Behandlung mit dem neuen Wirkstoff aufgrund des klinischen Zustands der Frau erforderlich ist. Bei Frauen im gebärfähigen Alter sollte vor Beginn der Behandlung mit Tucatinib der Schwangerschaftsstatus überprüft werden. Das Stillen soll während der Behandlung mit dem Kinasehemmer unterbrochen werden.

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