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Tieruntersuchungen

Tryptophan-Mangel gegen Multiple Sklerose 

Eine Diät, die frei von der essenziellen Aminosäure Tryptophan ist, verändert bei Mäusen die Zusammensetzung der Darmbakterien und schützt vor Symptomen einer experimentell erzeugten Multiplen Sklerose. Das berichtet ein deutsches Forscherteam aktuell in »Nature Communications«.
PZ
22.11.2019
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Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche neurodegenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems. Das eigene Immunsystem greift dabei die Isolation der Nervenfasern an und zerstört sie nach und nach. Eine wichtige Rolle könnte dabei auch die Darmmikrobiota spielen, also die Gesamtheit der Mikroorganismen im Darm, zeigt die Arbeit von Dr. Maren Falk-Paulsen und Professor Dr. Philip Rosenstiel vom Institut für klinische Molekularbiologie (IKMB) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel in Kooperation mit einem Team um Professor Dr. Michael Platten vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Das Team arbeitete mit einem Mausmodell der Multiplen Sklerose, bei dem sich die körpereigenen Immunzellen gegen ein bestimmtes Hüllprotein der Nervenisolierung wenden und dadurch MS-typische Symptome verursachen. Tiere, die ein spezielles Futter bekamen, in dem die Aminosäure Tryptophan fehlte, entwickelten in diesem Modell jedoch keine MS-Symptome, berichten die Forscher im Fachjournal »Nature Communications«. Bei ihnen waren die aggressiven Immunzellen nicht ins Rückenmark gewandert. Dieser schützende Effekt war abhängig von der Gegenwart von Bakterien im Darm: bei keimfreien Mäusen war der Schutz gegen MS verschwunden.

»Durch das Weglassen der Aminosäure Tryptophan verändert sich die Zusammensetzung der Darmbakterien, die ein bisher unbekanntes Signal an die Immunzellen senden. Welche Mechanismen hinter diesem Phänomen stecken, wissen wir bisher nicht. Das wollen wir in der Zukunft genauer untersuchen«, sagt Falk-Paulsen in einer Pressemitteilung.

Wie die essenzielle Aminosäure Tryptophan das Darmmikrobiom und chronische Entzündungen beeinflusst, erforscht das Team schon seit längerem. »In vorangegangen Arbeiten konnten wir zeigen, wie Tryptophan auf Entzündungen im Darm wirkt «, erklärt Rosenstiel. »Nun zeigt sich, dass sich das Weglassen von Tryptophan auch auf Entzündungsreaktionen an anderen Stellen im Körper auswirkt, und zwar über einen Mechanismus unabhängig von den bisher bekannten Signalwegen. Wir hoffen basierend auf unseren Ergebnissen zukünftig einen neuen Angriffspunkt für eine Behandlung von MS zu finden«, so Rosenstiel weiter.

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