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Gebärmutterhalskrebs
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Tisotumab Vedotin mit neuem Target

Das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat (ADC) Tisotumab Vedotin wird eingesetzt bei Frauen mit rezidiviertem oder metastasiertem progredienten Zervixkarzinom. Es ist das erste ADC, das in Deutschland für diese Indikation im Handel ist.
AutorKontaktBrigitte M. Gensthaler
Datum 06.10.2025  09:00 Uhr

Tisotumab Vedotin (Tivdak® 40 mg Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung, Genmab) ist ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat (ADC) aus einem vollständig humanen Antikörper vom Typ IgG1-κ (Tisotumab) und dem Zytotoxin Monomethyl-Auristatin E (MMAE), die über einen proteolytisch spaltbaren Valin-Citrullin-Linker miteinander verbunden sind (Vedotin). Tivdak ist als Monotherapie für erwachsene Frauen mit rezidivierendem oder metastasierendem Gebärmutterhalskrebs zugelassen, bei denen der Tumor während oder nach einer systemischen Therapie fortgeschritten ist.

Die empfohlene Dosis beträgt 2 mg/kg Körpergewicht (höchstens 200 mg bei Patientinnen mit einem Gewicht über 100 kg) alle drei Wochen bis zur Krankheitsprogression oder inakzeptablen Toxizität. Die Fachinformation enthält genaue Anweisungen zu Therapiepausen und Dosisreduktion bei bestimmten Nebenwirkungen. Wird auch eine Dosis von 0,9 mg/kg nicht vertragen, soll das Arzneimittel abgesetzt werden. Das Medikament wird als 30-minütige intravenöse Infusion verabreicht, keinesfalls als Push- oder Bolusinjektion.

Gewebefaktor als Andockstelle

Der Antikörper Tisotumab richtet sich gegen den Gewebefaktor (TF), der von einigen soliden Tumoren vermehrt auf der Zelloberfläche exprimiert wird. Dadurch werden das Tumorwachstum, die Angiogenese und die Metastasierung begünstigt. Das Transmembran-Glykoprotein TF ist ein neues Target in der Onkologie.

Das Konjugat bindet über seinen Antikörper-Anteil an TF auf Tumorzellen und wird in die Zelle aufgenommen. Dort kommt es zur Freisetzung des Spindelgifts MMAE. Dieses unterbricht das Mikrotubuli-Netzwerk von sich teilenden Zellen, was zum Stillstand des Zellzyklus und zum apoptotischen Zelltod führt. In vitro wurden eine direkte Zytotoxizität in TF-exprimierenden Zellen, Zytotoxizität in tumorumgebenden, sogenannten Bystander-Zellen, antikörperabhängige zellvermittelte Zytotoxizität und Phagozytose sowie immunogener Zelltod nachgewiesen.

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