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Diabetes

Tipps zur Schulung von Migranten

Bei der Betreuung von Diabetikern mit Migrationshintergrund gibt es mehr zu beachten als den muslimischen Fastenmonat Ramadan. Auch außerhalb der Fastenzeit unterscheiden sich die Ernährungsgewohnheiten oft grundlegend von den deutschen.
Annette Mende
21.02.2020
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Erhält ein Patient die Diagnose Diabetes, sollte sich unabhängig vom Typ der Diabetes-Erkrankung stets auch eine Ernährungsberatung anschließen. Bisherige Ernährungs- und andere Gewohnheiten müssen überdacht und meistens geändert werden. Damit Betroffene diese einschneidenden Veränderungen auch langfristig durchhalten, müssen die Empfehlungen auf ihr persönliches Lebensumfeld abgestimmt sein und kulturelle Gewohnheiten berücksichtigen, betont aktuell der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) in einer Mitteilung.

Die Beratung von Menschen mit Migrationshintergrund stelle aufgrund einer möglichen Sprachbarriere und von der deutschen Kultur abweichenden Essgewohnheiten oft eine besondere Herausforderung dar. Das beginnt schon ganz praktisch mit der Information über den Nährwert der verwendeten Lebensmittel. Typisch deutsche Nahrungsmittel wie Vollkornbrot, Bratwurst oder Kartoffeln tauchen in den meisten Nährwerttabellen auf. »Die entsprechenden Werte für Bulgur, Yams oder Kochbananen dagegen hat womöglich nicht jede Diabetesberatein sofort zur Hand«, sagt VDBD-Vorsitzende Dr. Nicola Haller.

Daneben könnten sich auch die Tagesrhythmen und die Gestaltung der Mahlzeiten stark unterscheiden. »In anderen Kulturen gibt es oft keine strenge Einteilung in Frühstück, Mittag-, und Abendessen«, so Haller. Im arabischen Raum etwa sei es durchaus üblich, frühmorgens zum ersten Kaffee einige Datteln oder getrocknete Feigen zu essen. Das werde jedoch nicht unbedingt als Mahlzeit empfunden. Obwohl die süßen Früchte den Blutzuckerspiegel stark ansteigen lassen, kann es daher vorkommen, dass sie bei der Aufzählung der verzehrten Lebensmittel einfach weggelassen werden – denn das eigentliche Frühstück findet erst später statt. Hürden wie diese ließen sich zum Beispiel mit Listen landestypischer Lebensmittel umgehen, die abgefragt werden könnten, so der VDBD.

Bei Sprachbarrieren empfiehlt der Verband, mit Bildern zu arbeiten. So ließen sich beispielsweise die Mengen visualisieren, die bei unterschiedlichen Lebensmitteln einer Broteinheit entsprechen. »Kultursensibel beraten heißt letztlich, sich auf den anderen einzulassen und unvoreingenommen auf Augenhöhe zu kommunizieren«, sagt VDBD-Geschäftsführerin Dr. Gottlobe Fabisch. So werde Wertschätzung vermittelt – und die Motivation und Therapietreue nicht nur bei migrierten Patienten deutlich gesteigert.

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