Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Tarifstreit in Nordrhein
-
TGL ruft zurück an den Verhandlungstisch

Mit offener Verstimmung reagiert die Arbeitgeberseite auf den Tarifvorstoß der Adexa. Die Gewerkschaft hatte während der laufenden Verhandlungen fehlende Ergebnisse beklagt. Die Tarifgemeinschaft der Apothekenleiter Nordrhein (TGL) widerspricht entschieden und erneuert gleichzeitig ihr Gesprächsangebot.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 07.07.2026  15:00 Uhr

Man weise die Darstellung der Adexa, dass die Arbeitgeberseite bislang kein angemessenes Angebot vorgelegt habe, »entschieden zurück«, ließ die TGL heute wissen. Vielmehr sei man der Gewerkschaft mehrfach deutlich entgegengekommen und habe das ursprüngliche Angebot wesentlich verbessert. »Unser Angebot bewegt sich keineswegs am unteren Rand der bundesweiten Tarifentwicklung, sondern geht in wesentlichen Bereichen sogar über das hinaus, was zuletzt in anderen Tarifabschlüssen vereinbart wurde«, so die beiden TGL-Vorsitzenden Constantin Biederbick und Sebastian Berges.

Die Adexa hatte sich gestern zur laufenden Tarifrunde geäußert und geklagt, dass alle bisherigen Arbeitgeberangebote nicht akzeptabel gewesen seien. Grundsätzlich habe sich das Tarifgebiet Nordrhein mittlerweile stark vom Gehaltsgefüge im Bundesgebiet abgekoppelt.

Die Arbeitgeberseite reagiert heute verstimmt auf den Vorstoß; man habe angesichts des zum 30. Juni ausgelaufenen Tarifvertrags auf eine möglichst schnelle  Einigung gesetzt – und zwar ohne öffentliche Auseinandersetzung. Man habe zudem mehrfach erklärt, dass man bereit sei, eine mögliche Einigung rückwirkend zum 1. Juli in Kraft treten zu lassen. Ob man an dieser Bereitschaft festhalten könne, werde sich zeigen.

»Tarifverhandlungen leben vom Austausch konkreter Positionen«, betonen die beiden Vorsitzenden. Es reiche nicht aus, ein Angebot abzulehnen, ohne gleichzeitig aufzuzeigen, welche Lösung denn stattdessen angestrebt wird und wie diese realistischerweise dauerhaft finanziert werden kann. Das Gesprächsangebot seitens der TGL bleibe bestehen – »wir sind überzeugt, dass tragfähige Tarifabschlüsse am Verhandlungstisch entstehen, nicht über Pressemitteilungen«.

»Ausgewogener Abschluss« anzustreben

Inhaltlich setzt die TGL der Kritik entgegen, dass man insbesondere bei der Vergütung des Nachwuchses der Gewerkschaft weit entgegengekommen sei. Gerade bei den Ausbildungsvergütungen und den Vergütungen der Berufsanfänger seien die ursprünglichen Forderungen in einzelnen Bereichen sogar übertroffen worden.

Grundsätzlich stelle sich die Frage, wie erhebliche Steigerungen bei den Personalkosten auf Dauer gemeistert werden können. Bekanntlich könnten Apotheken Erhöhungen nicht über eigene Preisentscheidungen ausgleichen. Tarifverträge schafften zwar einen verbindlichen Rahmen, die tatsächliche Bezahlung in den Apotheken liege jedoch vielfach darüber, etwa indem die Betriebe den Mitarbeitenden freiwillige übertarifliche Zulagen zahlten, zusätzliche Urlaubstage gewährten, Sonderzahlungen leisteten, flexible Arbeitszeitmodelle oder weitere Benefits anböten. »Diese Realität wird in der öffentlichen Darstellung regelmäßig ausgeblendet.«

Im Übrigen habe die TGL in vergangenen Tarifrunden einer deutlichen Tarifsteigerung zugestimmt. Mithin sei nun ein »ausgewogener Abschluss« anzustreben.

Mehr von Avoxa