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Die nächste Phase

T-Zell-Rezeptor-basierte T-Zell-Therapie

In einer Studie der Phase I/II testet das deutsche Unternehmen Medigene einen neuartigen Ansatz zur Behandlung von Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML), myelodysplastischem Syndrom (MDS) oder multiplem Myelom (MM): Es erprobt eine neue Form der T-Zell-Therapie.
Theo Dingermann
26.07.2019  11:00 Uhr

Das in dieser Studie eingesetzte Prüfpräparat trägt den Entwicklungsnamen MDG10011. Dabei handelt es sich um die nächste Generation einer T-Zell-Therapie, die auf die mittlerweile recht gut etablierte CAR-T-Zell-Therapie folgt. Ähnlich wie bei der CAR-T-Zell-Therapie handelt es sich auch bei der tumorspezifischen T-Zell-Rezeptor-Therapie (TCR-T) um eine individualisierte Therapie. Hierzu werden T-Zellen eines Patienten entnommen, ex vivo gentechnisch modifiziert und anschließend zurück infundiert.

Allerdings werden die Zellen nicht wie im Fall der CAR-T-Zell-Therapie mit einem chimären Antigen-Rezeptor (CAR) ausgestattet. Stattdessen wird die DNA für einen authentischen T-Zell-Rezeptor in die Zellen eingeschleust, der ein tumor-assoziierte Antigene der Zelloberfläche mit optimaler Affinität erkennt. Während es sich bei CAR um ein synthetisches Konstrukt handelt, bei dem der intrazelluläre Teil des TCR zur Aktivierung der T-Zelle um eine costimulatorisch wirkende transmembrane Domäne ergänzt und an eine extrazelluläre Erkennungsregion eines Antigenrezeptors gebunden ist, werden in der TCR-T echte intakte T-Zell-Rezeptoren verwendet.

Hier liegt das Kompetenzfeld der Firma Medigene aus Martiensried bei München. Über viele Jahre hat man dort eine ganze Kollektion an tumorspezifischen T-Zell-Rezeptoren aufgebaut, die ganz unterschiedliche Epitope auf Tumoren erkennen. Diese Sammlung an tumorspezifischen T-Zell-Rezeptoren macht es möglich, unterschiedliche Patientengruppen mit unterschiedlichen Tumoren zu behandeln.

Die Phase I/II-klinische Prüfung CD-TCR-001, die zunächst als INITIAL-TCR bezeichnet wurde, ist die erste klinische Prüfung für eine T-Zell-Rezeptor-basierte Therapie in Deutschland. Dabei werden T-Zellen des Patienten ex vivo mit einem Gen für einen passenden tumorspezifischen T-Zell-Rezeptor versehen und dem Patienten als Einmalgabe infundiert. Der Rezeptor ist gegen das humane Leukozyten-Antigen (HLA)-A*02:01 gerichtet. Die modifizierten Zellen sollen maligne Zellen, die dieses Antigen tragen, erkennen und zerstören.

Im Phase-I-Teil der Studie werden bis zu zwölf mehrfach vorbehandelte Patienten mit dieser innovativen Therapie behandelt. Der erste Patient erhielt Ende Februar die TCR-T-Zelltherapie. Im anschließenden Phase-II-Teil erhalten je 20 Patienten in zwei Indikationen MDG1011. Zur Kontrolle werden weitere 40 Patienten mit einer Standardtherapie behandelt. Co-primäre Endpunkte des Phase-II-Teils sind Sicherheit und vorläufige Wirksamkeit, gemessen als Gesamtansprechrate (ORR) nach drei Monaten.

Weltweit werden unterschiedliche TCR-Therapien von unterschiedlichen Unternehmen in klinischen Studien getestet.

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