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Cannabis als Medizin

Suchtstoffkontrollrat fordert strenge Überwachung

Die Freigabe von Cannabis für medizinische Zwecke kann sich negativ auf die öffentliche Gesundheit auswirken, wenn die Regierungen solche Programme nicht ausreichend überwachen. Davor warnt der Internationale Suchtstoffkontrollrat (INCB) in seinem jetzt veröffentlichten Jahresbericht 2018.
Christina Müller
05.03.2019
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Die 13 regierungsunabhängigen Mitglieder des Rats fürchten, dass infolge der medizinischen Freigabe auch die Zahl der nicht-medizinischen Anwendungen steigen könnte. Zudem schwäche der Einsatz von Cannabis als Arzneimittel die Vorbehalte der Bevölkerung gegenüber der generellen Legalisierung der Droge sowie das Bewusstsein für die Gefahren des Konsums.

Dabei stützt sich der INCB unter anderem auf Erkenntnisse aus den USA. Dort sei der medizinische Gebrauch von Cannabis inzwischen in mehr als 30 Staaten erlaubt – unter ihnen klafften die Vorgaben jedoch weit auseinander: In Kalifornien etwa weise das Patientenprofil auf einen sehr lockeren Umgang mit der Droge hin. Von den insgesamt 4117 Menschen, die in den Jahren 2001 bis 2007 in der Region San Francisco Bay Cannabis erhalten hatten, waren dem Gremium zufolge 77 Prozent männlich. Neun von zehn Anwendern rauchen demnach täglich Cannabis und 88 Prozent der Patienten hatten vor Vollendung des 19. Lebensjahres mit dem Konsum begonnen. „Die höchste Rate fand sich unter den 18- bis 24-Jährigen (10 Prozent) und die niedrigste Rate (1,5 Prozent) bei den Über-65-Jährigen“, schreibt der Rat. „Diese Charakteristika decken sich nicht mit den anerkannten Anwendungsgebieten für Cannabis, explizit der Einsatz bei älteren Menschen mit einer unheilbaren Krankheit, Personen mit neurologischen Erkrankungen und Kindern mit Epilepsie.“

Mehr tägliche Konsumenten, mehr Folgebehandlungen

Grundsätzlich sei der Gebrauch in der Altersklasse über 21 Jahre in jenen Staaten gestiegen, die Cannabis zu medizinischen Zwecken freigegeben haben. Das betrifft laut INCB sowohl die Rate der täglichen Konsumenten als auch die Zahl der männlichen Patienten, die sich aufgrund von Beschwerden behandeln lassen, die aus der Anwendung von Cannabis resultieren. Aus der Sicht des Gremiums lässt sich der Einsatz von Cannabis als Arznei nur durch strenge staatliche Regeln mit den internationalen Abkommen zur Drogenkontrolle in Einklang bringen. „Cannabinoide in pharmazeutischer Qualität sollten für klar definierte medizinische Indikationen von den nationalen Behörden zugelassen werden“, empfehlen die Mitglieder. Die Länder sollten ihre Programme gewissenhaft überwachen und evaluieren und dabei auch ein Auge darauf haben, in welchem Ausmaß die verordneten Cannabinoide zu nicht-medikamentösen Zwecken verwendet werden.

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