| Jennifer Evans |
| 10.06.2026 11:30 Uhr |
Der Kommunikationswissenschaftler Professor Dr. Adrian Meier von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg mahnt zur Differenzierung. Er sieht zwar, dass Likes, Streaks, Reshares und fehlende »Stopping Cues«, also natürliche Endpunkte, starke Gewohnheiten formen, warnt aber davor, vorschnell von Sucht zu sprechen – die Diagnosekriterien seien wissenschaftlich nicht sauber definiert. Bei problematischen Inhalten hingegen verweist er auf eine deutlichere Studienlage: Körperbezogene Posts drücken den Selbstwert – insbesondere bei jungen Frauen – und Darstellungen von Selbstverletzung belasten ebenfalls nachweislich.
Gleichzeitig zeigt die Forschung laut Meier, dass digitale Interaktionen mit Freunden auch positive Effekte wie das Gefühl von Verbundenheit erzeugen können. Er plädiert für altersgerechte Plattformen, die soziale Beziehungen statt Geschäftsinteressen priorisieren. Zu hohe Altersgrenzen hält er für wirkungslos – entscheidend sei eine realistische, evidenzbasierte und europäisch abgestimmte Linie mit einheitlichen Standards. Nur so könne man mit »Verhandlungsmacht den Technologiekonzernen gegenübertreten«.