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Preisbindung für Privatpatienten

Studenten fordern Regierung zum Handeln auf

Absage an Preisdumping

Was das Preisdumping im Medikamentensektor betrifft, haben die angehenden Apotheker eine klare Meinung. »Der BPhD lehnt jede weitere Öffnung des Arzneimittelmarkts für einen preislichen Wettbewerb ab. Dies beinhaltet sowohl die Bewerbung von Arzneimitteln als auch die Gewährung von Preisnachlässen«, heißt es in einem weiteren Positionspapier. »Ein Preiskampf und das damit einhergehende Locken durch Rabatte kommt der Bedeutung eines Arzneimittels nicht nach, unterwandert diese sowie das Solidaritätsprinzip des deutschen Gesundheitssystems und senkt die Hemmschwelle zum Missbrauch von Medikamenten.«

Rx-Boni untergraben demnach zudem das Prinzip der freien Apothekenwahl, da finanziell schlechter gestellte Menschen gezwungen werden, ihre Rezepte in Apotheken mit geringeren Arzneimittelpreisen im Vergleich zur Konkurrenz einzulösen. »Darüber hinaus soll sich der Wettbewerb in den Vor-Ort-Apotheken auf einen Dienstleistungs- und Qualitätswettbewerb beschränken. Eine kapitalorientierte und verstärkt wirtschaftliche Ausrichtung der Offizinen ist nicht wünschenswert.«

Die Studierenden begrüßen die Bemühungen des Bundes, die Gleichpreisigkeit zu sichern, fordern aber, schnellstmöglich die Preisbindung auch für Privatversicherte und Selbstzahler durch weitere Bundesgesetze wiederherzustellen. Dem Versandverbot für rezeptpflichtige Arzneimittel (RxVV) erteilen sie dagegen eine klare Absage. Dieses sei eine »nicht zukunftsträchtige Maßnahme«. Als schnelle Lösung biete sich das RxVV zwar an. »Doch ein Verbot des Versandhandels ist nicht nur kurzfristig, sondern auch nicht nachhaltig gedacht. Eine junge, digitalisierte und bequeme Gesellschaft wird auch nach der Einführung eines RxVVs nicht verstummen und weiter nach der Möglichkeit rufen, Medikamente im Internet bestellen zu können.«

Positionen zu Studieninhalten

Auch zu den Studieninhalten in Grund- und Hauptstudium beziehen die Nachwuchsapotheker Stellung. Die Tatsache, dass nicht jeder Studienstandort für Pharmazie eine Professur für Klinische Pharmazie vorweisen kann, erachten sie als nicht tragbar. »Die deutschen Pharmaziestudierenden fordern daher das Bundesgesundheitsministerium, das Kultusministerium des Bundes, die Kultusministerien der Länder und die Universitäten auf, an jeder der 22 deutschen Fakultäten reguläre Lehrstühle für das Fach Klinische Pharmazie einzurichten.«

Multiple-Choice-Prüfungen müssen zudem weg, findet der BPhD. »In einer mündlichen Prüfung kann der Dozierende einen besseren Eindruck über die vorhandenen Kenntnisse und das Verständnis der grundlegenden Zusammenhänge des Prüflings erlangen.« Als Idee zur Stärkung der deutschlandweiten Vergleichbarkeit schlägt der Verband das Erstellen von Prüfungskonzepten vor. »Diese sollen den Themenumfang, den eine Prüfung abdecken soll, und einen dazugehörigen Erwartungshorizont beschreiben.«

Auch die Prüfung nach dem Grundstudium wollen die Studierenden reformieren. »Ein faktenbezogenes Grundwissen ist wichtig, aber vor dem Hintergrund der ständigen Veränderungen in der Berufswelt fordern wir einen stärkeren Fokus auf kompetenzorientierte  Prüfungskonzepte.« Die Themen des Gegenstandskatalogs sollten aus Sicht des BPhD mehr auf das Hauptstudium vorbereiten und mit Blick auf das spätere Berufsleben ausgerichtet und abgefragt werden. »Wir fordern das IMPP und die Professoren des Beirates auf, den Gegenstandskatalog entsprechend zu überarbeiten und wir wünschen uns, dass die neuen Schwerpunkte zügig Eingang in die Lehre finden, um den pharmazeutischen Nachwuchs zukunftsorientiert und qualifiziert auszubilden.«

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