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Stigmatisierung sehen und vermeiden

Stigmatisierung, Stereotypien und Vorurteile sind in der Gesellschaft verbreitet – auch unter Heilberuflern. Häufig betroffen sind psychisch kranke Menschen. Genau hinzuschauen und hinzuhören kann zum Abbau von Stigmatisierung führen.
AutorKontaktMartina Hahn
AutorKontaktFrank Jacobi
AutorKontaktNaomi-Pua’nani Jiménez
AutorKontaktSibylle C. Roll
Datum 31.03.2024  08:00 Uhr

Beispiele für Stigmatisierung

Sexuelle Gesundheit: Personen, die bestimmte sexuell übertragbare Krankheiten haben, werden oft stigmatisiert. Dies kann dazu führen, dass sie sich aus Scham nicht um ihre Gesundheit kümmern, erhebliche Spätfolgen erleiden und die Verbreitung von Krankheiten begünstigen.

Adipositas und Körperbild, Hauterkrankungen: Menschen mit Adipositas oder Hauterkrankungen werden oft abgewertet und diskriminiert. Das führt zu unzureichender Unterstützung und Demoralisierung bei der Gewichtsabnahme oder mangelnder Prävention von Begleiterkrankungen.

Alkohol- und Drogenabhängigkeit: Personen mit Suchtproblemen stoßen auf Ablehnung und Geringschätzung, was sie davon abhalten kann, Unterstützung durch Behandlung und Rehabilitation zu suchen.

Psychische Erkrankungen: Psychisch erkrankte Menschen werden im Alltag oft mit Vorurteilen konfrontiert, die mit Mangel an Empathie und Verständnis einhergehen. Dies kann zu Ablehnung und Ausgrenzung durch andere und einem Gefühl der Unzulänglichkeit und Scham bei sich selbst führen. Körperliche Erkrankungen werden seltener erkannt und daher nicht adäquat behandelt.

Die Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen erfolgt zum Beispiel durch abfällige Bemerkungen zu einem Medikament oder einer Medikamentengruppe. Der Betroffene fühlt sich »anders«, abgelehnt und verurteilt, weil er dieses Medikament nehmen muss und es ihm darunter sogar besser oder gut geht.

Darüber hinaus gehören Menschen mit psychischen Erkrankungen häufig zu denjenigen, die sich selbst stigmatisieren, in dem sie den Vorurteilen und Stereotypen der Gesellschaft zustimmen (5). Dies wird begünstigt durch eine antizipierte Stigmatisierung (6). Es bedeutet, dass eine Person erwartet, in der Zukunft von Stereotypen, Vorurteilen oder Diskriminierung betroffen zu sein.

Wenn Menschen ihre Erkrankungen aufgrund von antizipierter oder erfahrener Stigmatisierung verschweigen oder Medikamente wie Psychopharmaka oder Drogen-Substitutionsmittel in der Medikationsanalyse bewusst nicht nennen, kann das sehr schwerwiegende Folgen haben. Fehlende oder falsche Behandlung und Beratung können zu einer erhöhten Mortalität beitragen.

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