| Laura Rudolph |
| 05.01.2026 07:00 Uhr |
Eisenmangel betrifft Frauen häufiger, meist durch Menstruation, Schwangerschaft und Stillzeit. / © Adobe Stock/Antonioguillem
Was sind die Einsatzgebiete von Eisen?
Eisen kommt zur Therapie eines Eisenmangels mit und ohne Blutarmut zum Einsatz – oder um diesem vorzubeugen, zum Beispiel während der Schwangerschaft. Außerdem kann Eisen nach starken Blutverlusten indiziert sein, um die Blutbildung zu fördern.
Wie wirkt Eisen?
Eisen ist das zentrale Atom des Blutfarbstoffs Hämoglobin. Damit ist eine seiner wichtigsten Funktionen der Sauerstofftransport durch den Körper. Außerdem ist Eisen ein wichtiger Bestandteil von Cytochromen, die an der Zellatmung in den Mitochondrien beteiligt sind, und wird für viele Stoffwechselreaktionen benötigt.
Wie unterscheiden sich orale und parenterale Eisenpräpate?
Präparate zur oralen Einnahme enthalten meist Verbindungen mit dem zweiwertigen Eisenion Fe2+. Diese können im Gegensatz zu Fe3+-Ionen, die zunächst zu Fe2+ reduziert werden müssen, im Darm direkt vom Metallionentransporter DMT1 aufgenommen werden. Häufig eingesetzte Verbindungen sind Eisen(II)-sulfat, -fumarat, -gluconat und -glycinsulfat-Komplex. Seit einigen Jahren gibt es eine orale Formulierung mit dem Chelatkomplex Fe(III)-Maltol, der im Magen stabil bleibt und im Darm als Ganzes resorbiert wird. Erst nach der Resorption werden die Eisenionen freigesetzt. Der Vorteil sind weniger freie Eisenionen, die im Magen-Darm-Trakt Nebenwirkungen verursachen können, der Nachteil sind die vergleichsweise sehr hohen Therapiekosten. Infusions- oder Injektionslösungen enthalten ebenfalls komplexiertes, dreiwertiges Eisen, darunter Eisen(III)-hydroxid-Dextran-Komplex und Eisen(III)-Carboxymaltose.
Welche Applikationsform kommt wann zum Einsatz?
Laut der S1-Leitlinie zur Eisenmangelanämie ist die orale Anwendung der parenteralen prinzipiell vorzuziehen. Wenn eine orale Therapie aus medizinischen Gründen jedoch nicht möglich ist, zum Beispiel bei Schluckstörungen oder wenn der Darm Eisen nicht ausreichend aufnimmt, sind Infusionen beziehungsweise Injektionen indiziert. Selbiges gilt, wenn die Eisengabe sehr schnell erfolgen muss.
Wie wird Eisen dosiert?
Die passende Dosis variiert von Mensch zu Mensch. Sie sollte sich an der Schwere des Eisenmangels beziehungsweise dem individuellen Eisenbedarf orientieren, was sich durch regelmäßige Kontrolle des Hb- und Ferritin-Werts (Eisenspeicher) im Blut überprüfen lässt. Die Leitlinie empfiehlt bei oraler Substitution eine Tagesgesamtdosis zwischen 2 und 6 mg Eisen pro kg Körpergewicht (KG), während in der Fachinformation einiger Präparate von einer Tagesdosis über 5 mg Eisen pro kg KG abgeraten wird. Bei Infusionen sollte die Einzeldosis nicht mehr als 20 mg Eisen/kg KG betragen, bei Injektionen nicht mehr als 15 mg/kg KG, in beiden Fällen jedoch maximal 1000 mg Eisen. Gegebenenfalls sind wiederholte Infusionen nötig. Eisensupplementation bei Kindern unter sechs Jahren sollte nur bei nachgewiesenem Mangel und immer nach Rücksprache mit einem Arzt erfolgen, da eine Überdosierung gefährlich ist.
Was ist bei der oralen Einnahme zu beachten?
Empfohlen ist die Einnahme auf nüchternen Magen, da bestimmte Nahrungsmittel die Aufnahme verschlechtern. Dazu zählen etwa Phytate in Getreide, Nüssen und Hülsenfrüchten, Polyphenole (Gemüse, Tee, Hülsenfrüchte), Galactane und Calcium (Milch, Käse). Der Abstand zur nächsten oder vorherigen Mahlzeit sollte idealerweise mindestens zwei Stunden betragen. Vitamin C, etwa in Organgensaft, verbessert die Eisenaufnahme.
Warum kann eine intermittierende Gabe sinnvoll sein?
Um sich vor einer gesundheitsschädlichen Eisenüberladung zu schützen, produziert die Leber nach der Gabe des Supplements über 24 Stunden vermehrt das Peptidhormon Hepcidin, das über mehrere Mechanismen die Eisenaufnahme vermindert. Die Leitlinie empfiehlt bei leichtem bis moderatem Mangel daher, Eisen nur alle zwei Tage einzunehmen, um die prozentuale Resorptionsrate zu erhöhen.
Welche Nebenwirkungen kann Eisen verursachen?
Bei der oralen Anwendung von Eisenpräparaten stehen gastrointestinale Nebenwirkungen wie Magenschmerzen, Verstopfung oder Übelkeit im Vordergrund. Der Stuhl kann sich dunkel färben, was jedoch unbedenklich und auf die Bildung von Eisenoxiden zurückzuführen ist. Bei der intravenösen Verabreichung können vorübergehend Kopf- oder Rückenschmerzen, Juckreiz, Hitzewallungen oder ein metallischer Geschmack im Mund auftreten. In sehr seltenen Fällen kann es zu schweren allergischen Reaktionen bis hin zur Anaphylaxie kommen.
Welche Wechselwirkungen sind Eisen möglich?
Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) können die schleimhautreizende Wirkung bei oraler Eisenaufnahme verstärken. Orales Eisen kann außerdem Chelatkomplexe bilden und dadurch die Aufnahme vieler Arzneistoffe hemmen. Betroffen sind unter anderem Fluorchinolone (zum Beispiel Ciprofloxacin, Levofloxacin, Norfloxacin und Ofloxacin), Tetracycline, Penicillamin, Bisphosphonate, Entacapon, Levodopa, Levothyroxin (L-Thyroxin) und Mycophenolat. Je nach Arzneimittel ist ein Einnahmeabstand von zwei bis vier Stunden empfohlen. Die parallele Therapie mit Eisen und Doxycyclin sollte komplett vermieden werden.
Was ist in Schwangerschaft und Stillzeit zu beachten?
Schwangere haben einen erhöhten Eisenbedarf. Für sie gibt es unter anderem spezielle Präparate, die neben Eisen beispielsweise auch Folsäure enthalten. Diese trotz ausreichender Eisen- und Hämoglobinwerte einzunehmen, bringt nach derzeitigem Kenntnisstand jedoch keine gesundheitlichen Vorteile. Sie werden meist von Ärzten empfohlen, sobald sich die Eisenspeicher zu leeren beginnen. Auch Stillende können orales Eisen einnehmen. Eine intravenöse Eisengabe in der Schwangerschaft sollte nur erfolgen, wenn orale Präparate nicht ausreichen und der Nutzen die Risiken eindeutig überwiegt – und dann auch nur im zweiten und dritten Trimenon. Ebenfalls sollten Stillende die Anwendung sorgfältig mit ihrem Arzt abwägen. Studien haben zwar nur einen sehr geringen Übergang in die Muttermilch ergeben, sodass ein Risiko für den Säugling unwahrscheinlich ist. Die Daten sind jedoch begrenzt.