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Unerwünschter Effekt

Statine reduzieren braunes Fett

Braunes Fettgewebe verbraucht Energie, statt sie zu horten, und ist deshalb anders als weißes Fett erwünscht. Nun haben Forscher der ETH Zürich herausgefunden, dass Statine ausgerechnet dieses gute Fett reduzieren. Trotz dieses negativen Effekts seien Statine aber wichtige Medikamente, die weltweit vielen Millionen Menschen das Leben retten, so die Wissenschaftler.
Annette Mende
27.12.2018
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Wie die Autoren um Dr. Miroslav Balaz im Fachjournal »Cell Metabolism« berichten, spielt der für die Herstellung von Cholesterol verantwortliche Mevalonat-Stoffwechselweg, namentlich das Stoffwechselprodukt Geranylgeranyl-Pyrophosphat, eine zentrale Rolle bei der Umwandlung von weißem in braunes Fettgewebe. Statine hemmen die Bildung von Geranylgeranyl-Pyrophosphat. Dass darunter auch die Bildung von braunem Fett leidet, konnten die Wissenschaftler zunächst an Mäusen zeigen.

Anders als bei kleinen Babys ist im Erwachsenenalter nicht bei jedem Menschen braunes Fettgewebe vorhanden. Wie die Auswertung der Positronen-Emissions-Tomografiebilder von rund 8500 Patienten des Universitätsspitals Zürich zeigte, scheint die Einnahme eines Statins das braune Fett beim Menschen zu reduzieren: Von den Probanden, die keine Statine einnahmen, hatten 6 Prozent braunes Fettgewebe, von den mit Statinen behandelten Patienten dagegen nur gut 1 Prozent.

In der Beurteilung der Statine müsse man auch »in die Waagschale werfen, dass Statine unheimlich wichtig sind zur Prophylaxe von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese Medikamente retten weltweit vielen Millionen Menschen das Leben und werden aus guten Gründen verschrieben«, sagt Seniorautor Professor Dr. Christian Wolfrum in einer Mitteilung der Universität. Jetzt gehe es darum, mit weiterer Forschung den Wirkmechanismen auf den Grund zu gehen und herausfinden, welche Patienten von den negativen Effekten betroffen sind. Die Verringerung von braunem Fett könne möglicherweise auch das leicht erhöhte Diabetes-Risiko erklären, das unter Statinen zu beobachten sei.

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