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Statine bald ohne Rezept?

In Großbritannien diskutieren Gesundheitsexperten derzeit, ob es Apothekern erlaubt werden soll, hoch dosierte Statine auch ohne ärztliche Verschreibung abzugeben. Den Anstoß gab der Hauptgeschäftsführer des Britischen Gesundheitsdiensts National Health Service (NHS), Simon Stevens.
Christina Müller
10.09.2019
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Niedrig dosierte Statine sind in Großbritannien bereits als apothekenpflichtig eingestuft. Jetzt wollen die Entscheider des NHS wissen, ob die rezeptfreie Abgabe hoch dosierter Statine in den Offizinen dazu beitragen kann, die Zahl der Herzinfarkte und Todesfälle zu senken. Geplant ist eine Studie unter der Leitung von Keith Ridge, der beim NHS für pharmazeutische Themen und medizinische Grundversorgung zuständig ist. Die Initiative ist Teil eines Langzeitplans mit dem Ziel, in den kommenden zehn Jahren mehr als 150.000 Herzattacken und Schlaganfälle zu verhindern.

»Apotheker sind gut ausgebildete Heilberufler, die ein hohes Ansehen in der Bevölkerung genießen«, sagte NHS-Chef Stevens kürzlich auf einer Fachveranstaltung. Da sich der NHS ohnehin dafür stark mache, bestimmte Untersuchungen in die Offizinen zu verlagern, gelte es zu überlegen, den Bürgen in diesem Zuge auch ausgewählte Medikamente schnell und bequem vor Ort zugänglich zu machen.

Die British Heart Foundation, die an der geplanten Erhebung mitwirken wird, zeigt sich offen für den Vorstoß. »Wir begrüßen das Bekenntnis des NHS zur Prävention von Herzerkrankungen«, teilt die kardiologische Fachgesellschaft mit. Sie unterstütze die Idee, den Apothekern bestimmte Gesundheits-Checks zu übertragen. »Wir freuen uns darauf, mit ihnen gemeinsam an dieser Studie zu arbeiten.«

Dank intensiver Forschung sei inzwischen belegt, dass Statine das Risiko für einen Herz- oder Hirninfarkt deutlich reduzieren können. Der medizinische Direktor der Organisation, Professor Nilesh Samani, hofft darauf, mithilfe des geplanten Projekts weitere Patientengruppen identifizieren zu können, die von der Einnahme profitieren. »Aktuell kommen hoch dosierte Statine vor allem bei Menschen zum Einsatz, die bereits einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall erlitten haben und ein hohes Risiko für weitere kardiovaskuläre Ereignisse mitbringen«, informiert er. Bei Personen, die davon bisher verschont geblieben sind, sei die langfristige Einnahme eines Lipidsenkers eine gewichtige Entscheidung, die ein intensives Gespräch zwischen Anwender und Heilberufler erfordere.

 

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