Einerseits ist Ambulantisierung politisch gewünscht, andererseits warnen die Kassenärztlichen Vereinigungen bereits jetzt vor 46 Millionen nicht finanzierten Behandlungsfällen in Praxen. / © Imago images/Fotostand
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) erwartet wegen der geplanten Einsparungen im Gesundheitswesen im kommenden Jahr deutlich weniger Behandlungen in Praxen. Nach Berechnungen der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) wären durch die vorgesehenen Sparmaßnahmen bundesweit rund 46 Millionen Behandlungsfälle nicht finanziert. Zuerst hatte die Zeitung »Bild« über ein entsprechendes Papier berichtet.
Besonders betroffen wären laut den Berechnungen bestimmte fachärztliche Gruppen in Bayern. Radiologinnen und Radiologen, die bisher durchschnittlich 1.759 Patientinnen und Patienten pro Quartal behandelten, könnten demnach künftig nur noch 1.323 Fälle versorgen. Bei Hals-Nasen-Ohren-Ärztinnen und -Ärzten würde die Zahl der maximal behandelbaren Personen pro Quartal im Schnitt von 1.397 auf 1.098 sinken. Bei Neurochirurginnen und -chirurgen läge der Rückgang von 647 auf 512 Behandlungsfällen.
Das Bundeskabinett hatte Ende April ein Sparpaket für das Gesundheitswesen auf den Weg gebracht, das noch Bundestag und Bundesrat passieren muss. Ziel ist es, den stetigen Anstieg der Krankenkassenbeiträge zu stoppen. Die gesetzlichen Krankenkassen sollen dadurch im Jahr 2027 um 16,3 Milliarden Euro entlastet werden. Das liegt etwas über dem erwarteten Defizit von 15,3 Milliarden Euro.
Geplant sind unter anderem Ausgabenbremsen bei ärztlichen Praxen, Kliniken und der Pharmabranche. Gleichzeitig sollen Versicherte stärker belastet werden – etwa durch höhere Zuzahlungen für Medikamente, höhere Beiträge für Gutverdienende sowie Einschränkungen bei der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnerinnen und -partnern. Bei Praxen sollen zudem mehrere bisherige Extra-Vergütungen entfallen.