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Demenz und Depression

Soziale Kontakte wirken besser als Antidepressiva

Demenz und Vereinsamung gehen zum Teil Hand in Hand und Depressionen sind eine häufige Komorbidität bei Demenzpatienten. Mit Bewegung und Gesellschaft ist ihnen besser geholfen als mit Antidepressiva, meinen Forscher.
Daniela Hüttemann
20.05.2021  18:00 Uhr

Nicht medikamentöse Therapieoptionen scheinen genauso gut oder sogar besser die depressive Symptomatik bei Demenzpatienten zu lindern wie Antidepressiva, schrieben Forscher vor Kurzem im »British Medical Journal«. Das Autorenteam um die Geriaterin Jennifer Watt von der University of Toronto in Kanada hatte eine Metaanalyse von 256 Studien mit 28.483 dementen Teilnehmern mit oder ohne Depression zu der Thematik durchgeführt.

Antidepressiva waren nicht wirksamer als die normale Betreuung, während zehn andere Interventionen das Ausmaß der Depressionen merklich lindern konnten. Dazu zählen kognitive Stimulation, Bewegung, Erinnerungstherapie (dabei wird Demenzkranken geholfen, sich besser an Ereignisse, Menschen und Orte ihres Lebens zu erinnern), die Gabe von Cholinesterase-Inhibitoren, Massage und Berührungstherapie, multidisziplinäre Betreuung, Psychotherapie kombiniert mit Erinnerungstherapie und Veränderungen des Umfelds, Beschäftigungstherapie, Bewegung kombiniert mit sozialer Interaktion und kognitiver Stimulation sowie eine tiergestützte Therapie. Ärzte sollten in Erwägung ziehen, mehr soziale Ansätze zu verordnen, meinen die Reviewer. Betreuer, medizinisches Personal und auch politische Entscheider sollten sich bemühen, hier mehr Angebote zu machen.

50 Millionen Menschen weltweit leben mit der Diagnose Demenz. 16 Prozent von ihnen leiden zudem unter einer ärztlich festgestellten Depression. Schätzungsweise weitere 32 Prozent leiden unter depressiver Symptomatik ohne formale Diagnose.

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