| Alexander Müller |
| 09.06.2026 16:21 Uhr |
Apotheker- und Ärzteschaft soll beim Projekt ARMIN 2.0 wieder eng zusammenarbeiten – doch aktuell kriselt es etwas. / © ABDA
Zum Tag der Apotheke hat die ABDA ihr Positionspapier »Die zukünftige Rolle der Apotheke in der Primärversorgung« vorgestellt. Vor allem der Passus »Definierte Ausweitung von Selbstbehandlungsmöglichkeiten mit apothekerlicher Unterstützung« sorgt bei der Ärzteschaft für Kopfschmerzen. Aus Sicht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und anderer Ärzteverbände mischen sich die Apotheker in die Angelegenheiten der Ärzteschaft ein.
Die Landesorganisationen von Sachsen und Thüringen sorgen sich nun um die Zukunft des Projektes ARMIN. Das ABDA-KBV-Modell, besser bekannt unter ARMIN (Arzneimittelinitiative Sachsen Thüringen), war ein überaus erfolgreiches Modellprojekt zur patientengerechten Arzneimittelversorgung, das im Jahr 2014 umgesetzt wurde. Zentrale Module waren Wirkstoffverordnung, Medikationskatalog und Medikationsmanagement.
Eine Überführung in die Regelversorgung ist zwar bislang nicht gelungen, wird aber regelmäßig diskutiert. Im vergangenen Jahr gab es konkrete Gespräche zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen (KVT), dem Thüringer Apothekerverband (ThAV) sowie der Landesapothekerkammer (LAKT), um eine Weiterentwicklung als »ARMIN 2.0« vorzubereiten. Gerade mit Blick auf den elektronischen Medikationsplan wurden dem Projekt Zukunftschancen eingeräumt.
Konkret wurde es mit dem »Letter of Intent« von ABDA, KBV und den Landesorganisationen aus Sachsen und Thüringen, der unterschriftsreif bereitlag. Doch dann kam die heftige Reaktion der Ärzteschaft auf das neue Positionspapier der ABDA – mit Folgen für ARMIN: »In der Folge wurden alle Gespräche zwischen KBV und ABDA sowie alle weiteren Abstimmungen auf Bundes- und Landesebene ausgesetzt«, heißt es in einem gemeinsamen Brief an den ABDA-Vorstand, unterzeichnet von Thomas Dittrich, Vorsitzender des Sächsischen Apothekerverbandes, Göran Donner, Präsident der Sächsischen Landesapothekerkammer, Stefan Fink, Vorsitzender des Thüringer Apothekerverbandes, und Ronald Schreiber, Präsident der Landesapothekerkammer Thüringen.
Sie monieren zuvorderst den zeitlichen Ablauf. Schließlich sei im ABDA-Gesamtvorstand eine Weiterentwicklung und Veröffentlichung nach Abschluss der Verfahren zu ApoVWG und Arzneimittelpreisverordnung vereinbart worden. Der Bundesrat wird sich am kommenden Freitag mit der Apothekenreform befassen.
Die ARMIN-Unterhändler fühlen sich von der Veröffentlichung des Papiers überfahren und befürchten langfristige negative Folgen für die interprofessionelle Zusammenarbeit. »ARMIN war nicht lediglich ein regionales Projekt. Es war eines der wenigen bundesweit anerkannten Beispiele dafür, wie Ärzte/Ärztinnen und Apotheker/Apothekerinnen gemeinsam Verantwortung für die Arzneimitteltherapiesicherheit übernehmen können«, heißt es in dem Brief an den ABDA-Vorstand. Entsprechend groß seien die Erwartungen an die Weiterentwicklung eines digital gestützten ARMIN 2.0 gewesen.
Ein ABDA-Sprecher teilte auf Nachfrage mit: »Das ARMIN-Projekt hat eindrucksvoll gezeigt, dass eine gut abgestimmte Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern die Gesundheit der Menschen verbessern, Krankheiten vermeiden und sogar Menschenleben retten kann. Deswegen sind wir als Apothekerschaft nach wie vor sehr daran interessiert, ARMIN fortzusetzen – gemeinsam mit den Ärztinnen und Ärzten. Gleichzeitig hat die schwarz-rote Koalition allerdings ein umfangreiches Gesetz zur Neuregelung der Primärversorgung angekündigt. Als Interessenvertretung der Apothekerschaft ist es unsere Aufgabe, die Kompetenzen der Apothekerinnen und Apotheker hier mit innovativen Vorschlägen einzubringen.«
Bei der ABDA-Mitgliederversammlung am 1. Juli soll das Thema auf die Tagesordnung. Die Landesorganisationen aus Sachsen und Thüringen wollen wissen, wie es zu der Veröffentlichung des Papiers kam und wie nun weiter verfahren werden soll.