| Alexandra Amanatidou |
| 24.02.2026 17:30 Uhr |
Der Arzt und Fernsehmoderator Eckart von Hirschhausen (links) und Karl Lauterbach, SPD-Bundestagsabgeordneter und früherer Bundesgesundheitsminister, waren zu Gast in der ARD-Sendung »Hart aber fair«. / © Imago/Klaus W. Schmidt
Zu den Gästen bei Moderator Louis Klamroth zählten Karl Lauterbach (SPD, ehemaliger Bundesgesundheitsminister), Eckart von Hirschhausen (Arzt und Moderator), Luise Molling (Foodwatch), FDP-Generalsekretärin Nicole Büttner und Mirco Wolf Wiegert (Fritz-Kola). Auch Ana Maria Salomon war dabei. Sie hat mithilfe einer Abnehmspritze 31 Kilogramm in knapp einem Jahr abgenommen.
Medikamente wie Mounjaro und Ozempic enthalten Inkretinmimetika, die ein Sättigungsgefühl im Gehirn auslösen. Sie werden momentan nur in der Indikation Diabetes von den Krankenkassen erstattet, jedoch nicht bei Übergewicht oder Adipositas ohne Typ-2-Diabetes.
»Wir haben in Deutschland diese wirklich fiese Angewohnheit, erst den Menschen ein gesundes Leben schwer zu machen, und wenn sie dann krank sind, sind sie selbst schuld und sollen es auch selbst zahlen«, sagte Eckart von Hirschhausen während der Sendung. Darüber hatte die PZ kürzlich auch mit Dennis Ballwieser, dem Chefredakteur der »Apotheke Umschau«, gesprochen.
Da eine Packung mehrere hundert Euro kostet, lockt dies aufgrund des großen Interesses auf Patientenseite auch Kriminelle an. So kursieren immer mehr gefälschte Rezepte in Apotheken. Auch Deep-Fakes, also KI-generierte Videos von bekannten Ärztinnen und Ärzten als Werbung für Abnehmprodukte werden im Internet veröffentlicht. »Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker. Wenn Sie etwas bestellen, wissen Sie gar nicht, was drin ist«, mahnte von Hirschhausen. Er erzählte von Fällen, in denen Insulin-Pens als Ozembic umetikettiert wurden – was lebensbedrohlich sei. Auch die AMK warnte bereits vor dubiosen GLP-1-Produkten aus dem Internet.
Auf die Frage des Moderators, ob jede und jeder ohne Rezept Mounjaro und Ozempic in der Apotheke kaufen können sollte, antwortete die FDP-Generalsekretärin: »Wenn Ärzte sagen, dass diese Mittel nicht gefährlich sind, dann sollten Menschen sie auch kaufen können. Menschen können das selbst entscheiden.«
Der ehemalige Gesundheitsminister ist anderer Meinung, denn die Medikamente hätten Nebenwirkungen, die zwar selten, aber »schlimm« seien. Er nannte Bauchspeicheldrüsenentzündungen und Augenkomplikationen als Beispiele. Für diese Fälle wäre es »absolut nicht akzeptabel«, die Medikamente ohne Verschreibung in der Apotheke zu verkaufen.
Dass die Abnehmspritzen noch nicht von den Krankenkassen erstattet werden, sieht Lauterbach nicht kritisch. Die Spritze sei zwar kein Lifestyle-Medikament und Adipositas sei eine Krankheit, dennoch seien die Kosten-Nutzen-Relation und die Untersuchungen zu den Nebenwirkungen noch nicht aussagekräftig genug. Anders sehe es bei einer Magenverkleinerung aus, deren Langzeitwirkungen bereits bekannt sind. Sollte sich ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis in ein paar Jahren zeigen, sollte eine Erstattung erfolgen, so die Meinung des ehemaligen Gesundheitsministers.
Inkretin-Mimetika zeigten in verschiedenen Studien auch einen Nutzen bei Komorbiditäten und Folgeerkrankungen der Adipositas wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettleber und Nierenerkrankungen. Langzeitdaten über mehr als fünf Jahre fehlen jedoch noch.
Auch über eine mögliche Zuckersteuer wurde intensiv diskutiert. Laut der Weltgesundheitsorganisation haben bereits mehr als 100 Länder eine solche Steuer eingeführt. Auch hierzulande werden die Stimmen für eine solche Steuer immer lauter. So sprach sich kürzlich Daniel Günther (CDU), Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, dafür aus. Sein Vorschlag wurde jedoch auf dem CDU-Parteitag abgelehnt. Nun will er ihn im Bundesrat durchsetzen.
Mit höheren Steuern auf Alkohol, Tabak und Zucker kann sich Lauterbach eine Finanzierung von Gesundheitserziehung in Schulen vorstellen. Doch nicht alle blicken positiv darauf. »Wir vertrauen den Menschen und finden diese Bevormundung unangebracht. Wir setzen auf Transparenz und Aufklärung«, sagte FDP-Generalsekretärin Nicole Büttner. Auch Mirco Wolf Wiegert ist gegen einer Zuckersteuer, er plädierte für kleinere Portionen. »Den vollen Geschmack einer Limonade kriegt man eben mit einer vollen Portion von Zucker«, so sein Fazit. Lauterbach kritisierte, dass die ungesündesten Lebensmittel am billigsten sind.
Auch das Thema Kinderwerbung wurde angesprochen. »Kinder werden von Werbung bombardiert«, sagte Luise Molling von Foodwatch. »Wir müssen die Verhältnisse, in denen wir leben, ändern.« Lauterbach äußerte sich ebenfalls kritisch zur Werbung für zuckerhaltige Lebensmittel, die sich an Kinder richtet. Die FDP-Generalsekretärin sprach sich hingegen gegen eine Regelung aus.
Am Ende der Diskussion fragte der Moderator Karl Lauterbach, ob er sich vorstellen könne, Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu werden. »Genf ist eine schöne Stadt, in die man immer wieder gerne reist«, sagte er dazu.