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Impfen

So wird es für Kinder (und Eltern) einfacher

Für Kinder bedeutet eine Impfung häufig Stress. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut gibt Hinweise, wie Ärzte möglichst schmerzarm impfen und damit einer sich entwickelnden Impfabneigung vorbeugen. Auch im Beratungsgespräch in der Apotheke lässt sich einiges dafür tun, dass Vakzinen korrekt zur Anwendung kommen.
Elke Wolf
24.04.2019
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Erleben Kinder und ihre Eltern die ersten Impfungen mit Schmerzen und Stress, könnte womöglich die Akzeptanz für weitere Termine sinken. Denn durch die schmerzhaften Begleitumstände ist die Impfung ein Leben lang negativ besetzt. Wie sich Impfen für Kinder jeden Alters so angenehm wie möglich machen lässt, hat die STIKO in einem Leitfaden zusammengefasst.

Um Stressreaktionen klein zu halten, sollten Eltern nicht im Unklaren gelassen werden. Ein Gespräch darüber eignet sich auch vorab bei einem Besuch in der Apotheke, nicht nur in der Arztpraxis. Schon bei der U3, also etwa ab dem zweiten Lebensmonat, wenn die ersten Impfungen anstehen, sollte das Thema angesprochen und über die mögliche Anwendung schmerzlindernder Verfahren aufgeklärt werden. Es empfiehlt sich, auch ältere Kinder bei einer Impfung nicht allein zu lassen. Bis zum zehnten Lebensjahr sollte ein Elternteil bei der Impfung anwesend sein, so die STIKO-Experten.

Bei kleineren Kindern bis zu sechs Jahren sind laut STIKO Ablenkungsmanöver ein geeignetes Mittel, um den Piks möglichst angenehm erleben zu lassen. Durch Drücken der Hand von Mutter und Vater, durch Aufblasen eines Ballons, Seifenblasen oder Spielzeuge wird die Aufmerksamkeit der Kleinen in eine andere Richtung gelenkt.

Bei Neugeborenen kommt das Nuckeln an einem Schnuller oder Stillen (außer bei Rotaviren-Schluckimpfung) ebenso in Betracht wie die Applikation einer Glucoselösung oder einer anderen süßen Flüssigkeit. Da Rotavirus (RV)-Impfstoffe Saccharose enthalten, sollte bei mehreren Impfungen an einem Termin eine geplante RV-Impfung zuerst gegeben werden.

Kleinkinder sollten möglichst auf dem Arm oder dem Schoß eines Elternteils gehalten werden. So können sie das Stillhalten der Gliedmaßen unterstützen. Bei der Wortwahl sollte man vorsichtig sein, um kein Misstrauen hervorzurufen. Fälschlich beruhigende oder unehrliche Aussagen wie »Das tut überhaupt nicht weh!«, sind zu vermeiden.

Beim schmerzarmen Impfen kommt es auch auf die Nadellänge an. Bei Säuglingen unter zwei Monaten empfiehlt sich eine Länge von 15 mm, bei Kleinkindern 25 mm und bei Jugendlichen und Erwachsenen 25 bis 50 mm. Werden mehrere Injektionen zum gleichen Zeitpunkt verabreicht, sollte die schmerzhafteste Injektion zuletzt injiziert werden. Als besonders schmerzhaft gelten etwa die Pneumokokken oder Mumps-Masern-Röteln-Impfung.

Hilfe aus der Apotheke

Als schmerzstillende Medikamente nennt die STIKO Lidocain-haltige Schmerzpflaster oder -cremes, die zwischen dem vierten Lebensmonat und dem zwölften Lebensjahr zum Einsatz kommen können. Dies sei auch für Jugendliche und Erwachsene mit ausgeprägter Angst vor der Injektion ein probates Mittel, um Ängste zu minimieren.

Allerdings müssen sowohl Pflaster als auch Cremes 30 bis 60 Minuten vor der Injektion appliziert werden, damit der lokalanästhetische Effekt zum Tragen kommt. Das bedarf einer gewissen Planung; die Arzneimittel müssen vorher von den Eltern in der Apotheke erworben werden. Möglich ist auch die Verwendung eines Eissprays, das unmittelbar wirkt. Im Anschluss kann deshalb nach entsprechender Desinfektion sofort geimpft werden.

Die STIKO nennt auch Maßnahmen, die nicht geeignet sind, die Impfung schmerzarm zu gestalten. So sollte der Impfstoff auf keinen Fall erwärmt werden. Auch die manuelle Stimulation der Injektionsstelle wie etwa durch Reiben oder Kneten ist nicht angesagt. Genauso unsinnig sei es, vor oder während der Impfung orale Analgetika einzunehmen.

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