| Theo Dingermann |
| 30.03.2026 16:20 Uhr |
Die zweite Arbeit überträgt dieses Konzept in die Onkologie und zeigt erstmals eine direkte klinische Relevanz der thymischen Gesundheit für die Immuntherapie. Mit ihrer Arbeit wollten die Forschenden eine relevante Lücke vor allem im Hinblick auf den erfolgreichen Einsatz von Immuncheckpoint-Inhibitoren schließen. Denn die bisherigen eingesetzten Marker, um den Erfolg einer Tumortherapie mit Immuncheckpoint-Inhibitorenabzuschätzen wie PD-L1-Expression oder Tumormutationslast vorherzusagen, erfassen primär Eigenschaften des Tumors und nicht die Leistungsfähigkeit des adaptiven Immunsystems.
In einer Real-World-Kohorte von 3476 Patienten unter Checkpoint-Inhibition war eine hohe thymische Gesundheit konsistent mit verlängertem progressionsfreiem und Gesamtüberleben assoziiert.Bemerkenswert ist, dass dieser Zusammenhang unabhängig von den etablierten Biomarkern bestand und in seiner Effektstärke vergleichbar war. Selbst in Subgruppen mit ungünstigen klassischen Parametern, wie eine niedrige PD-L1-Expression, profitierten Patienten mit guterThymusgesundheit deutlich von Checkpoint-Inhibitoren. Damit könnte dieThymusaktivität ein weiterer und zwar tumorunabhängiger Prädiktor der Therapieantwort werden.
Die Forschenden validierten ihre Ergebnisse in der TRACERx-Kohorte (TRAcking Cancer Evolution through therapy (Rx)). Dabei handelt es sich um eine prospektive Kohortenstudie, in der unter anderem die intratumorale Heterogenität im Zusammenhang mit dem klinischen Verlauf untersucht und Treibermutationen sowie evolutionäre Prozesse bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs im Frühstadium bestimmt werden.
Diese Überprüfung untermauert den Zusammenhang zwischen der Thymusgesundheit und dem Erfolg einer Immuntherapie. So wiesen Patienten mit hoher thymischer Gesundheit eine größere T-Zell-Rezeptor-Diversität, eine gesteigerte T-Zell-Infiltration im Tumor sowie erhöhte Spiegel von sogenannten »T-cell receptor excision circles (sjTREC)« auf. Unter sjTREC versteht man kleine DNA-Abschnitte, die in T-Zellen während ihres Durchgangs durch den Thymus entstehen, wenn diese ihre TCR-Gene neu ordnen. Alle diese Parameter reflektieren eine aktive thymische Neogenese und eine robuste adaptive Immunantwort.