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Komplementärmedizin bei Krebs

So finden Patienten seriöse Anbieter

Viele Krebspatienten wollen sich nicht allein auf die Schulmedizin verlassen und interessieren sich (auch) für Angebote der Komplementärmedizin. Um dabei nicht auf unseriöse Anbieter hereinzufallen, sollten sie auf einige Dinge achten.
Annette Rößler
16.11.2022  09:00 Uhr

Derzeit findet in Berlin der Deutsche Krebskongress statt. In einer Session ging es um Komplementärmedizin bei Krebs – ein Thema, das viele Patienten sehr interessiert. Sie wollen sich nicht mit dem zufrieden geben, was die Schulmedizin ihnen bieten kann, und suchen darüber hinaus nach komplementärmedizinischen Angeboten. Leider besteht die Gefahr, dass ihnen das mehr schadet als nützt, denn im Internet tummeln sich auch viele unseriöse Anbieter solcher Heilmethoden. Schlimmstenfalls drohen negative Auswirkungen auf die Krankheitsprognose (direkt oder indirekt infolge von Wechselwirkungen) und zudem ein finanzieller Verlust.

Vor diesem Hintergrund hat eine Gruppe von Wissenschaftlern um Dr. Alizé Rogge von der Berliner Charité in einem strukturierten Prozess einen Kriterienkatalog erarbeitet, anhand dessen Patienten seriöse komplementärmedizinisch Anbieter identifizieren können. Dr. Daniel Pach, der ebenfalls an der Charité beschäftigt ist, stellte die 2020 im Fachjournal »Patient Preference and Adherence« erschienene Arbeit vor.

»Es sind insgesamt acht Haupt- und drei Nebenkriterien«, informierte Pach. Demnach zeichnet es einen seriösen Anbieter aus, dass er

  1. sich nach der Diagnose und der bisherigen Therapie des Patienten erkundigt,
  2. bereit ist, mit ihm über mögliche Wechselwirkungen zwischen der komplementärmedizinischen Behandlung und der Krebstherapie zu sprechen,
  3. ihm erklärt, warum speziell diese komplementärmedizinische Behandlung für ihn empfehlenswert ist,
  4. er dem Patienten die Möglichkeiten und Grenzen der Behandlung realistisch und verständlich darstellt und bereit ist, bisherige Erfahrungen mit diesem Verfahren dar- und gesicherte Daten dazu vorzulegen,
  5. mit ihm Ziele, Inhalte, Dauer und Kosten der geplanten Behandlung und Änderungen im Verlauf sowie Wege zur möglichen Erstattung bespricht,
  6. ihm eine angemessene Bedenkzeit einräumt und ihm ermöglicht, sich frei für oder gegen die vorgeschlagene Behandlung zu entscheiden,
  7. die Entscheidung des Patienten für oder gegen die Behandlung respektiert und
  8. über die Kosten der Behandlung eine nachvollziehbare Rechnung stellt.

Die drei Nebenkriterien beziehen sich auf die Qualifikation des Anbieters und sind meistens schwieriger zu überprüfen. Gegebenenfalls sollten Patienten nachfragen, ob

  1. der Anbieter eine Fachausbildung oder ein spezielles Studium absolviert hat und nur solche Behandlungsmethoden anwendet, die er auch beherrscht,
  2. sich regelmäßig fortbildet und
  3. in der Behandlung von Krebspatienten über mindestens zwei Jahre Erfahrung verfügt.

Erfüllt ein Anbieter eines oder mehrere dieser Kriterien nicht, sollten Patienten lieber die Finger davon lassen. Entschließen sie sich dafür, eine komplementärmedizinische Methode anzuwenden, sollten sie in jedem Fall ihren Onkologen darüber informieren.

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