Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Eskalation im Iran
-
So blicken iranisch-deutsche Apotheker auf den Krieg

Nachdem die USA und Israel den Iran angegriffen haben, ist ein Krieg in der Region ausgebrochen. Wie blicken iranisch-deutsche Apothekerinnen und Apotheker auf die Entwicklungen? Die PZ hat sich umgehört.
AutorKontaktAlexandra Amanatidou
Datum 09.03.2026  11:30 Uhr

Einige Stunden nach Beginn des Angriffs der USA und Israels auf den Iran kam die Meldung: »Ali Chamenei ist tot.« Er war seit 37 Jahren das politische und religiöse Oberhaupt des Irans. Weltweit und auch in Deutschland haben Exil-Iranerinnen und -Iraner den Tod von Chamenei gefeiert, darunter auch iranisch-deutsche Apothekerinnen und Apotheker wie Lily Rahmani.

Die Apothekerin aus Berlin erfuhr auf einer Demo von Chameneis Tod. »Wir haben riesig gefeiert. Auch am Sonntag haben wir groß gefeiert. Es war eine tolle Stimmung. Alle haben sich riesig gefreut«, sagt sie.

Seit dem 28. Februar tobt jedoch ein Krieg, der die gesamte Region beeinflusst. Der Angriff der USA und Israels auf den Iran wird von Völkerrechtlern als völkerrechtswidrig eingestuft. Daraufhin hat der Iran mit eigenen Angriffen begonnen. Dabei zielt er nicht nur auf Israel, sondern auch auf US-Militärbasen und zivile Infrastruktur in den umliegenden Ländern wie Kuwait, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dabei wurden auch Hotels getroffen, darunter das berühmte Burj al Arab in Dubai.

Was den Krieg selbst betrifft, ist Rahmani der Meinung, dass es »keine andere Wahl« gibt, um das Regime im Iran zu stürzen. »Jeder Krieg hat Opfer und Kosten, aber ich sehe das Ziel. Es ist wie bei einer Operation: Man denkt nicht an das Blut, sondern an die Heilung.« Auch ein iranischer Apothekeninhaber aus Hessen findet, dass die Kollateralschäden »leider unvermeidbar« sind. »Natürlich ist man traurig. Wer ist froh, wenn ein Krieg ausbricht? Aber auf der anderen Seite hätten wir sonst keine Möglichkeit gehabt, den Diktator zu beseitigen oder ihn für seine Taten zur Rechenschaft zu ziehen.«

Die Gräueltaten des iranischen Regimes im Gesundheitswesen

Einige Stimmen aus der Diaspora hätten Chamenei lieber vor Gericht gesehen. Auch Shahin Arzani, Apothekeninhaberin aus Essen, sieht das ähnlich. Diese Stimmen beziehen sich dabei nicht nur auf die Gräueltaten des iranischen Regimes während der jüngsten Proteste im Januar, sondern auch auf die Jahre davor. So wurden auch die Proteste im Rahmen der Bewegung »Frau, Leben, Freiheit« im Jahr 2022 brutal niedergeschlagen.

Bei den diesjährigen Protesten hat die Gewalt ein neues Ausmaß erreicht. Laut aktuellen Daten der Organisation Human Rights Activists News Agency gab es mindestens 7000 Tote. Das »Time Magazine« sprach Ende Januar von mehr als 30.000 Toten in nur zwei Tagen. Die iranische Regierung sprach hingegen Mitte Februar von mehr als 3100 Toten. Die Situation im Land ist unübersichtlich und diese Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Die Gräueltaten der Revolutionsgarden trafen auch das Gesundheitswesen. Protestierende wurden in Krankenhäusern festgenommen. Festnahmen gab es auch von Ärztinnen und Ärzten, die nicht mit dem Regime kooperieren wollten. Auch Apothekerinnen und Apotheker wurden während der Proteste im Iran damals in Haft genommen.

Zwar gibt es seit Monaten eine Telefon- und Internetblockade, doch immer wieder ist eine Kommunikation mit den Menschen vor Ort möglich. »In den vergangenen vier Tagen habe ich keine Nachricht von meiner Familie erhalten«, sagt Shahin Arzani, die die Protestierenden im Iran per Telemedizin unterstützte. Erst heute habe sie per WhatsApp die Nachricht »Wir sind okay« erhalten. Direkt danach war die Verbindung wieder weg. Andere berichten, dass die ohnehin bestehenden Lieferengpässe von Arzneimitteln im Iran sich weiter verschärft haben. Auch die Preise der importierten Medikamente hätten sich deutlich erhöht.

Kann der Regimewechsel gelingen?

»Ich wünsche mir das, was sich die iranische Bevölkerung wünscht: einen Regimewechsel«, sagt Arzani und fügt hinzu: »Ihre Hände sind voll mit Blut. Ich wünsche mir Gleichheit für alle.« Sie glaubt, dass Reza Pahlavi gerade der stärkste Oppositionelle sei. »Wenn die Menschen ihn wollen, dann soll man den Leuten auch vertrauen.«

Viele im Exil lebende Iranerinnen und Iraner setzen Hoffnungen auf Reza Pahlavi. Der Sohn des ehemaligen Schahs lebt seit 47 Jahren in den USA. Er hat Politikwissenschaft studiert und möchte den Weg für demokratische Wahlen im Iran ebnen. Er ruft immer wieder zu Demonstrationen auf, so auch Mitte Februar, als er Gast der Münchner Sicherheitskonferenz war.

»Ich habe große Hoffnungen, dass die Regierung in ein paar Wochen an Pahlavi übertragen wird«, sagt Shahin Rahmani, die eine überzeugte Unterstützerin von ihm ist.

Doch Pahlavi wird wegen der autoritären Herrschaft seines Vaters, Mohammed Reza Pahlavi, von vielen kritisch gesehen. Auch US-Präsident Donald Trump hat sich bereits gegen ihn als Anführer einer künftigen Übergangsregierung im Iran ausgesprochen. Außerdem glauben Expertinnen und Experten, dass das Regime noch nicht gestürzt werden kann. So wurde gestern bekannt gegeben, dass Modschtaba Chamenei, der Sohn des getöteten Ali Chamenei, zum neuen obersten Führer im Iran ernannt wurde. Wie es im Iran weitergeht, ist noch unsicher. Es wird jedoch einige Zeit dauern, bis sich die Lage im Nahen Osten entschärft hat.

Mehr von Avoxa