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Welt-Zoonose-Tag

Sind Tiere auch ein Corona-Risiko?

Gefahr für Wildtiere

Leendertz' Befürchtungen beziehen sich eher auf die Tropen, und weniger auf unsere Breiten: Dort sei die Gefahr des Entstehens neuer Reservoire wesentlich wahrscheinlicher, weil es mehr und engere Mensch-Tier-Kontakte gebe. Der Zoonosen-Experte warnt vor den Folgen von Ansteckungen für Tiere: »Wir Menschen müssen auch bedenken, dass wir eine Gefahr für ein bedrohtes Wildtier darstellen können. Wir sollten versuchen, möglichst wenig Arten zu infizieren.« Die Sorge gilt zum Beispiel den Menschenaffen. »So eine garantiert empfängliche Spezies kann für das Virus die Eintrittspforte in den Urwald sein«, sagte Leendertz. Verendet ein infiziertes Tier und frisst zum Beispiel ein Leopard vom Aas, könnte sich die Kette der Ansteckungen fortsetzen. Dass Coronainfektionen für solche Tiere nicht harmlos sind, zeigen unter anderem Zoos, in denen etwa Löwen daran starben.

Auch Zoos in Deutschland sind wachsam. Im Berliner Zoo zum Beispiel gelten seit 2020 insbesondere bei Raubtieren und Primaten Hygiene- und Verhaltensregeln. Wenn möglich komme es nicht zu direktem Kontakt zwischen Pflegerinnen und Pflegern und Tieren, zudem herrsche Maskenpflicht in Anlagen und bei der Futter-Zubereitung, hieß es. Auch Menschen, die in Beruf oder Freizeit mit Wildtieren in Kontakt kommen, sollten vorsichtig sein, mahnt Mettenleiter: Wer etwa Fledermäuse einfängt, vermisst, beringt oder besendert, sollte demnach zum Beispiel mindestens eine Schutzmaske tragen. »Auch infektiöse Abfälle sollte man als mögliches Risiko im Blick behalten«, gibt Leendertz mit Blick auf Mäuse, Ratten oder Waschbären zu bedenken, die aus Mülltonnen fressen. »Dass sich eine Art so infiziert, ist zwar unwahrscheinlich, aber auch nicht unmöglich.«

Entwarnung geben Fachleute in Hinblick auf Haustiere. Zwar zeigen Untersuchungen, dass sich vor allem Katzen recht oft bei ihren Haltern mit Corona anstecken. Aber sie erkranken nicht schwer und sind für das Virus, auch mangels Kontakten zu einer großen Zahl anderer Tiere, wohl eher eine Sackgasse: »Es ist eindeutig, dass diese Tiere den Erreger vom Menschen aufschnappen und weiter offenbar epidemiologisch keine Bedeutung haben«, sagte Mettenleiter. Die bisherigen Corona-Meldungen von Haustieren – neun bundesweit laut FLI – verblassen angesichts der Fallhäufung in der Pelztierzucht.

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