Apotheker Simon Siuts untersuchte in seiner Masterarbeit, wie etabliert die pDL in Apotheken in Westfalen-Lippe sind. / © Getty Images/FatCamera
Sind pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) in den Apothekenteams angekommen? Im Rahmen seiner Masterarbeit »Untersuchung des Implementierungsprozesses pharmazeutischer Dienstleistungen in Westfalen-Lippe« hat Apotheker Simon Siuts, Linden-Apotheke in Heede, Daten des Wissenschaftlichen Instituts für Versorgungsforschung in der Apotheke (WIVA) ausgewertet.
Im Vorfeld hatte das bei der Apothekerkammer Westfalen-Lippe angesiedelte Institut von Oktober 2023 bis Dezember 2024 quartalsweise das Personal in öffentlichen Apotheken befragt, ob sich pDL bisher in ihrem Berufsalltag etabliert haben. Zusätzlich gab es in jeder Umfrage Schwerpunkte zu möglichen Barrieren und Förderfaktoren.

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Apotheker Simon Siuts
Das Gesamtbild der Umfragen war positiv. Je nach Quartal gaben 65 bis 80 Prozent der Teilnehmenden an, dass in ihrer Apotheke bereits pDL durchgeführt wurden. Ähnlich viele bestätigten, auch selbst pDL durchzuführen. Allerdings gab nur ungefähr jeder Fünfte an, mindestens zehn pDL im Quartal durchzuführen. Circa 30 Prozent der Teilnehmenden führten in diesem Zeitraum fünf- bis neunmal eine pDL, und ungefähr die Hälfte bei eine bis vier pDL durch (Grafik).
Auch aus weiteren Fragen zum Implementierungsstand lässt sich schließen: Es ist zwar ein Grundverständnis vorhanden, für viele Befragte sind pDL aber noch kein Bestandteil der alltäglichen Arbeit. Trotzdem sehen die meisten, dass pDL zukünftig zum Berufsalltag gehören werden.
Um wissenschaftlich fundierte und vergleichbare Ergebnisse zu erhalten, wurden mögliche Barrieren und Förderfaktoren mit etablierten Messinstrumenten erfasst. Zwei Punkte stechen besonders hervor: die Arbeitsbelastung und -zufriedenheit.
Die Arbeitsbelastung wurde mit Hilfe des Selbstbeurteilungsfragebogens »Copenhagen Burnout Inventory« (CBI) erfasst. Mithilfe des CBI kann das Risiko für einen berufsbedingten Burn-out abgeschätzt werden. Es konnten klare Unterschiede festgestellt werden zwischen Befragten, die bereits pDL durchführen, und solchen, die dies noch nicht taten. Letztere Gruppe litt unter einem wesentlich höheren Burn-out-Risiko, besonders Apothekenleitungen. Es ist plausibel, dass es Führungskräfte mit hoher Arbeitsbelastung schwerhaben, neue Dienstleistungen im Team und im Berufsalltag einzuführen.
Die Ergebnisse des CBI sind allerdings über alle Gruppen hinweg hoch ausgefallen. Häufig genannte Gründe dafür waren Lieferengpässe, Personalmangel und das E-Rezept. In anderen Studien wurde das CBI beispielsweise bei Ärzten oder Hebammen angewendet. Hier fiel das Burn-out-Risiko geringer aus. Dies verdeutlicht, wie hoch die Arbeitsbelastung von Apothekenteams während des Befragungszeitraums war.
In einer weiteren Erhebung wurde die Warr-Cook-Wall-Arbeitszufriedenheitsskala eingesetzt – ein Fragebogen, mit dessen Hilfe aus verschiedenen Teilaspekten die Arbeitszufriedenheit ermittelt wird. Auch bei diesem Instrument fanden sich wieder deutliche Unterschiede zwischen den Befragten abhängig vom pDL-Status. Diejenigen, die selbst pDL durchgeführt hatten, waren zufriedener.
Insbesondere die Betrachtung einiger Einzelaspekte, wie Abwechslungsreichtum und Anerkennung der Arbeit, deuten darauf hin, dass pDL die Arbeitszufriedenheit steigern können. Andererseits könnte eine bereits bestehende, hohe Zufriedenheit bei der Arbeit ein positiver Faktor sein, um pDL ein- und regelmäßig durchzuführen. Möglich wäre auch ein gegenseitiger positiver Einfluss.
Insgesamt bestätigen die Ergebnisse der Masterarbeit viele Vermutungen zum Implementierungsstand: Einige Apotheken führen pDL bereits regelmäßig durch, eine flächendeckende Implementierung war aber zumindest im Jahr 2024 noch nicht erreicht. Eine hohe Arbeitsbelastung wirkt sich hemmend aus. Dabei haben pDL das Potenzial, die Arbeitszufriedenheit zu steigern.