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100-prozentige Übernahme
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Shop Apotheke schluckt Lieferdienst First A

Externe Apothekenlieferdienste geben sich gern als Unterstützer der lokalen Apotheken. Anbieter wie Mayd, First A oder Cure kooperieren mit den Offizinen und betonen, sie mit ihrem Online-Service stärken zu wollen. Doch die Skepsis gegenüber den millionenschweren Start-ups scheint nicht unberechtigt zu sein: Wie jetzt bekannt wurde, hat der niederländische Versender Shop Apotheke den Lieferdienst First A übernommen. Vor einer solchen Entwicklung hatte die Standesvertretung gewarnt.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 13.04.2022  10:24 Uhr

Beim ABDA-Livetalk auf Facebook Ende Februar hatte ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening betont, im Fall einer Übernahme durch einen großen Konzern lande »ein ganzer Pool an Daten«, die der Lieferdienst durch die Kooperation mit den Apotheken gesammelt habe, dann »in der nächstgrößeren Einheit«. »Das heißt, wir zahlen mit Geld und Daten, aber eben auch damit, dass unsere Apotheken gegenüber der Plattform in den Hintergrund treten«, erklärte die ABDA-Chefin. Auch Niedersachsens Kammerpräsidentin Cathrin Burs hatte bei der Kammerversammlung Ende März unterstrichen: »Wir wollen liefern, aber nicht ausgeliefert sein.« Burs warnte davor, apothekentypische Leistungen wie den Botendienst mit persönlicher pharmazeutischer Beratung aus der Hand zu geben, zumal es den Unternehmen nicht auf die Versorgung ankäme, sondern darauf, »etwas vom Kuchen abhaben zu wollen«, zeigte sich die Kammerchefin überzeugt.

Lieferdienste in den Großstädten unterwegs

Und nun ist eingetreten, wovor gewarnt wurde: Der große EU-Versender Shop Apotheke hat einen Anbieter geschluckt. Wie der Versender mitteilte, hat er 100 Prozent von First A übernommen. Das Berliner Start-up gelte im Bereich Quick Commerce als Pionier und biete in fünf deutschen Großstädten die Lieferung von Medikamenten innerhalb von 30 Minuten an, so Shop Apotheke. Bekanntlich arbeiten Lieferdienste wie First A, Kurando, Mayd oder Cure hierbei zwar mit Apotheken zusammen, sie stellen aber eigenes Botenpersonal, was umstritten ist. Unklar ist, wie viele lokale Apotheken mit den Lieferdiensten zusammenarbeiten. Die Start-ups versprechen ihrer Kundschaft Lieferungen binnen kürzester Zeit und sind bislang nur in Großstädten unterwegs. Bei den Geldgebern kommt das Prinzip gut an: Viele Lieferdienste konnten hohe Millionenbeträge von internationalen Investoren einsammeln, die sie nach eigenem Bekunden in ihre weitere Expansion stecken wollen.

Der Kaufpreis für First A, das im vergangenen Jahr von Antonie Nissen, ihrem Bruder Leif Löhde und Florian Swoboda gegründet wurde, setzt sich laut Shop Apotheke aus einem bei Vollzug fälligen Betrag und Erfolgskomponenten über die kommenden vier Jahre zusammen. Daraus ergebe sich voraussichtlich ein zweistelliger Millionenbetrag. Über den exakten Kaufpreis hüllen sich Verkäufer wie Käufer allerdings in Schweigen. Shop Apotheke erwirbt demnach 100 Prozent der Anteile von den First-A-Gründern, das Unternehmen solle auch künftig eigenständig agieren.

Europaweite Expansion angepeilt

»Die Verbindung von traditionellem E-Commerce mit innovativer digitaler Technologie eröffnet neue Perspektiven für die künftige On-demand-Lieferung von E-Rezepten und stärkt zudem die kundenzentrierte Strategie«, schreibt Shop Apotheke. First-A-Mitbegründerin Nissen ergänzte, durch die Akquisition könne das Unternehmen seine »europaweite Expansion, die Erhöhung unserer Patientenreichweite und die Umsetzung unserer Gesamtstrategie beschleunigen«.

Durch die strategische Übernahme des Berliner Unternehmens stärke Shop Apotheke ihre Position als »nachhaltige Online-Apotheken-Plattform«, kommentiert Shop-Apotheke-Mitbegründer Stephan Weber den Schritt. Shop Apotheke werde dadurch ab sofort mit zwei verschiedenen Marken aktiv sein. Durch die Übernahme gelinge es, alle Anwendungsfälle und Zielgruppen im digitalen Apothekenmarkt abzudecken, »insbesondere auch mit Blick auf das E-Rezept«, frohlockte Weber. 

Versender wie Doc Morris und Shop Apotheke lauern seit Jahren auf größere Anteile bei der Rx-Abgabe, die ohne E-Rezept bislang umständlich ist. Mit dem E-Rezept sollten neue Zeiten für die Versender anbrechen; entsprechend stark investierten sie. Dass der Starttermin fürs E-Rezept im Januar in letzter Minute verschoben wurde, ließ die Aktien beider Konzerne kurzzeitig abstürzen. 

 

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