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Gürtelrose-Impfstoff

Shingrix soll jetzt monatlich geliefert werden

Ab sofort dürfen Ärzte bundesweit die 10er-Packung Shingrix® über den Sprechstundenbedarf verordnen, meldet Hersteller GSK – und verspricht regelmäßige monatliche Lieferungen. Der komplette Bedarf könne jedoch weiterhin erst einmal nicht gedeckt werden.
Daniela Hüttemann
10.10.2019
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Seit der adjuvantierte Herpes-Zoster-Totimpfstoff Shingrix® im Mai 2018 auf den Markt kam, ist die Nachfrage größer als die Lieferfähigkeit von Hersteller Glaxo-Smith-Kline. Denn die neue Vakzine schützt ältere Menschen signifikant besser vor einer Gürtelrose als der Lebendimpfstoff Zostavax®. Die Schutzwirkung liegt bei 90 Prozent über alle untersuchten Altersgruppen ab 50 Jahren. Seit dem 13. Dezember 2018 empfiehlt die STIKO allen Personen ab 60 Jahren eine Herpes-Zoster-Impfung sowie als Indikationsimpfung für bestimmte Patientengruppen und präferiert dabei den Totimpfstoff. Am 30. April 2019 wurde die Impfung in den Pflichtleistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen. Die Nachfrage ist dementsprechend groß, auch in den USA und Kanada.

Viele kassenärztliche Vereinigungen hatten bereits Impfvereinbarungen für die Verordnung über den Sprechstundenbedarf mit den Krankenkassen getroffen. Als letzte sind nun noch die KV Rheinland-Pfalz und die KV Hessen hinzugekommen. Damit gelte diese Regelung nun bundesweit, teilte GSK heute mit. Damit entfällt der Weg des Patienten zur Apotheke, um sich das Präparat selbst zu besorgen. Die Patienten müssen auch nicht mehr in Vorleistung treten. Die Ärzte in Hessen können 9,43 Euro für den Impfvorgang mit der Krankenkasse abrechnen.

GSK kündigte an, zusätzliche Ware für den deutschen Markt zu liefern. »Ab nun wird Shingrix monatlich in regelmäßigen Intervallen, jedoch weiterhin in begrenzten Mengen, zur Verfügung gestellt«, heißt es in der Pressemitteilung. Damit werde eine gewisse Regelmäßigkeit und Planbarkeit angestrebt. Die Nachfrage bleibe in den kommenden Monaten jedoch weiterhin größer als das Angebot.

Die erste Auslieferung der Großpackungen erfolgt bereits, eine weitere ist für Mitte/Ende November angekündigt. Im Dezember sollen dann erstmals seit Monaten auch wieder Einzeldosen ausgeliefert werden, die in erster Linie für Privatversicherte gedacht seien, sagte eine GSK-Sprecherin der Pharmazeutischen Zeitung auf Nachfrage. Die Auslieferung erfolge über den Großhandel sowie direkt an einige größere Apotheken. Auf die regionale Verteilung habe der Hersteller keinen Einfluss.

Impfstoffproduktion wird ausgebaut

Das Unternehmen weist daraufhin, dass die Impfstoffproduktion komplex und aufwendig sei und nicht »auf Knopfdruck« funktioniere. Die Herstellung von Shingrix dauere etwa zwölf Monate. Die Produktionskapazitäten seien derzeit voll ausgelastet. GSK arbeite mit Hochdruck daran, seine Produktions- und Verpackungskapazitäten in Europa und den USA auszubauen. Etwa vier Jahre dauere der Bau einer neuen Produktionsstätte, zwei weitere Jahre seien in der Regel nötig, bis der Herstellungsprozess validiert und die Anlage behördlich abgenommen ist. Insgesamt sei daher mit fünf bis sieben Jahren zu rechnen, je nach Komplexität der Anlage. Hergestellt wird Shingrix in GSKs größter Impfproduktionsstätte im belgischen Wavre, nahe der Hauptstadt Brüssel.

GSK habe Shingrix bewusst vorerst nur in drei Ländern, nämlich den USA, Kanada und Deutschland eingeführt, obwohl die EU-Zulassung vom 23. März 2018 natürlich für alle EU-Länder und einige weitere gilt. In den USA und Kanada sei die Nachfrage höher als geplant, da dort die Behörden deutlich breitere Impfempfehlungen abgegeben hätten als von GSK erwartet. In den USA sollen beispielsweise alle mit Zostavax geimpften Menschen mit Shingrix nachgeimpft werden, was in Deutschland nicht vorgesehen ist.

Die tatsächliche Kohortengröße als Grundlage für den Impfstoffbedarf sei erst planbar mit einer finalen Empfehlung im jeweiligen Land, erklärt GSK. »Dies macht eine realistische Bedarfsberechnung im Voraus sehr schwierig.« Derzeit lebten allein in Deutschland etwa knapp 23 Millionen Menschen über 60, die laut STIKO-Empfehlung geimpft werden sollen. Hinzu kommen alle Menschen über 50 mit einer schweren Grunderkrankung, beispielsweise HIV, rheumatoider Arthritis, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, COPD, Asthma, chronischer Niereninsuffizienz oder Diabetes.

Wer bekommt die verfügbaren Shingrix-Impfstoffe?

Für einen vollständigen Impfschutz sind zwei Impfstoffdosen Shingrix in einem Abstand von mindestens zwei und höchstens sechs Monaten erforderlich.  Wen sollten Ärzte nun also mit dem verfügbaren Impfstoff bevorzugt immunisieren? Dazu hat die STIKO eine klare Empfehlung abgegeben: »Noch vorhandene Impfstoffdosen sollten präferentiell für die Komplettierung begonnener Impfserien eingesetzt werden, bevor neue Impfserien begonnen werden. Neue Impfserien sollten nur begonnen werden, wenn die Gabe der zweiten Impfdosis sichergestellt ist. Kann für die zweite Impfung wegen mangelnder Impfstoffverfügbarkeit der maximale Abstand von sechs Monaten zur ersten Impfung nicht eingehalten werden, sollte die zweite Impfung umgehend bei Wiederverfügbarkeit des Impfstoffes nachgeholt werden. Mit Shingrix begonnene Impfungen sind auf jeden Fall auch mit Shingrix zu komplettieren.« Die Verwendung von Lebendimpfstoff wird dagegen von der STIKO nicht empfohlen.

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