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Existenzgründer-Workshop
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Selbst, ständig und erfolgreich

Was brauchen Apothekerinnen und Apotheker, um erfolgreich in die Selbstständigkeit zu starten? Ein »Startpaket« an Tipps und Tricks zu Betriebswirtschaft, Finanzen, Steuern und Co. teilten erfahrene Expertinnen und Experten beim Existenzgründer-Workshop, der am 15. Juli in Düsseldorf bereits in die 13. Runde ging.
AutorKontaktLaura Rudolph
Datum 21.07.2026  09:00 Uhr

Wer heute eine Apotheke übernimmt oder gründet, tut dies in Zeiten des politischen, gesellschaftlichen und »kolossalen« demografischen Wandels. Das betonte Kathrin Luboldt, Vizepräsidentin der Apothekerkammer Nordrhein, in ihrem Grußwort.

Immer mehr alte und multimorbide Menschen stehen sinkenden Zahlen von Arztpraxen gegenüber. Luboldt betonte, dass Apotheken künftig eine noch größere Rolle in der Primärversorgung einnehmen würden als heute – und dass Gesundheitsversorgung nur im interprofessionellen, kollegialen Miteinander funktioniere. Auch die Politik habe dies erkannt: »Die Apothekenreform stellt unsere Kompetenz noch mehr in den Vordergrund.«

Eine Existenzgründung biete den Vorteil, die eigene Apotheke nach persönlichen Schwerpunkten auszurichten, sagte die Inhaberin der Damian-Apotheke in Dinslaken. Mit neuen pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL), erweiterten Impfangeboten und weiteren Präventionsleistungen böten sich dafür künftig zusätzliche Chancen.

Bin ich ein Unternehmertyp?

Den Schritt in die Selbstständigkeit scheuten viele Kolleginnen und Kollegen. »Nur wenige wollen sich selbstständig machen«, sagte Thomas Preis, ABDA-Präsident und langjähriger Vorsitzender des Apothekerverbands Nordrhein.

Vor einer Existenzgründung sollte man kritisch prüfen, ob man Unternehmertyp ist, riet Preis: ob man belastbar ist und bereit, Verantwortung für Personal und Finanzen zu übernehmen. Ebenso wichtig sei ein unterstützendes familiäres Umfeld.

Gerade die ersten Jahre der Selbstständigkeit seien sehr anstrengend. Wer die Frage des Unternehmertyps für sich mit »Ja« beantworten könne, habe jedoch gute Chancen auf Erfolg. Aufgrund des demografischen Wandels werden Apotheken »in den schätzungsweise nächsten 20 Jahren tendenziell mehr zu tun haben.«

Kathrin Luboldt / © AVNR/Alois Müller
Thomas Preis / © AVNR/Alois Müller
Ihab Alnwakeel / © AVNR/Alois Müller
Silke Wolff / © AVNR/Alois Müller
Philipp Bayerschen / © AVNR/Alois Müller
Alexander Wende / © AVNR/Alois Müller
Katja Frey / © AVNR/Alois Müller
Dr. Florian Schlapfner / © AVNR/Alois Müller

Bericht eines Existenzgründers

Ihab Alnwakeel, Inhaber der Ruhrland-Apotheke am Hauptbahnhof in Oberhausen, war bereits zum zweiten Mal als Referent beim Existenzgründer-Workshop dabei. Er berichtete von seinem Weg vom Pharmaziestudium und ersten Erfahrungen als Apothekeninhaber in Syriens Hauptstadt Damaskus. Vor zehn Jahren kam Alnwakeel nach Deutschland, absolvierte Fachsprachen- und Kenntnisprüfung und arbeitete seit 2019 als angestellter Apotheker. 2023 übernahm er schließlich die Ruhrland-Apotheke.

Aus seinen Schilderungen wurde deutlich, dass Mut, Durchhaltevermögen und Hartnäckigkeit nötig sind, um den Wunsch von der eigenen Apotheke zu verwirklichen. Beim Thema Kontaktaufnahme lohne es sich, am Ball zu bleiben, wenn man eine interessante Betriebsstätte gefunden habe. Alnwakeel scherzte, dass er es bei Anrufen manchmal wie mit Amoxicillin gehandhabt habe: »Dreimal am Tag: morgens, mittags, abends.«

Wie findet sich die passende Apotheke?

Doch wie wählt man unter vielen Angeboten die passende Apotheke aus? »Rund 35 Prozent der Inhaberinnen und Inhaber sind älter als 55 Jahre«, betonte Silke Wolff, langjährige Marktentwicklerin bei der Treuhand Hannover. Das Unternehmen begleitet jede dritte Apothekenübernahme in Deutschland. Dementsprechend gäben viele Inhaber ihre Apotheke bald ab.

Bei der Auswahl spielen Kennzahlen wie Nettoumsatz, Rohgewinn und Betriebskosten eine wichtige Rolle, sollten jedoch nicht isoliert betrachtet werden. Entscheidend sind auch Faktoren wie Standort, Wettbewerbssituation oder mögliche Sonderumsätze durch Heimversorgung oder Versandhandel.

Um Fehlentscheidungen und finanzielle Überraschungen zu vermeiden, empfahl Wolff eine professionelle Analyse der Wunschapotheke. Grundsätzlich sollten Existenzgründer mit zwei bis drei Jahren von der Entscheidung bis zur eigentlichen Übernahme rechnen, da sich Kaufpreisverhandlungen durchaus hinziehen können.

Wie wird der Kauf finanziert?

Apropos Kaufpreis: Wie lässt sich eine Apothekenübernahme oder Neugründung finanzieren? Alexander Wende, Senior Berater Private Banking und stellvertretender Leiter der Apobank-Filiale Düsseldorf I, sprach sich dafür aus, den Kauf einer Apotheke eher über Fremd- als über Eigenkapital zu finanzieren, da die Zinsen eines betrieblichen Darlehens als Betriebsausgaben steuerlich absetzbar sind. Eigenkapital kann dann beispielsweise für private Investitionen eingesetzt werden.

Häufig nutzen Gründer Annuitäten- oder Tilgungsdarlehen. Bei einem Tilgungsdarlehen bleibt die Tilgungsrate konstant, während die Zinsbelastung aufgrund der sinkenden Restschuld kontinuierlich abnimmt. Dadurch verringert sich die Gesamtrate im Zeitverlauf. Eine Alternative ist das endfällige Darlehen. Dabei werden während der Laufzeit in der Regel nur die Zinsen gezahlt; die Rückzahlung der Darlehenssumme erfolgt erst am Ende der Laufzeit. Dies kann die laufende Liquiditätsbelastung reduzieren. Zusätzlich lassen sich Finanzierungen häufig mit öffentlichen Förderkrediten, etwa der KfW, kombinieren, die oftmals günstige Konditionen bieten.

Steuern klug planen

Eine Existenzgründung soll sich finanziell auszahlen. Gerade in der Anfangsphase ist jedoch oft schwer abzuschätzen, welches Einkommen tatsächlich zur Verfügung steht und welche Steuern anfallen. Um hohe Nachzahlungen oder Liquiditätsprobleme zu vermeiden, ist eine realistische Steuerplanung wichtig.

»Als Steuerberater können wir vieles erleichtern, aber nicht alles übernehmen«, erklärte Steuerberater Philipp Bayerschen von der Treuhand Hannover. So müssen Gründer ihr Gewerbe selbst anmelden. Außerdem sind für den Betrieb eine Steuernummer sowie eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer erforderlich.

Bereits vor dem Start kann der Steuerberater die voraussichtliche Gewerbe- und Einkommensteuer berechnen und entsprechende Vorauszahlungen anmelden. Wie andere Selbstständige müssen auch Apothekeninhaber regelmäßig Umsatzsteuer-Voranmeldungen abgeben sowie Gewerbe- und Einkommensteuer im Voraus zahlen. Nach Abschluss des ersten Wirtschaftsjahres erstellt der Steuerberater die Jahresbilanz, auf deren Grundlage das Finanzamt die Steuer festsetzt.

Mehr als ein Rechenzentrum

Seit mehr als 50 Jahren steht die ARZ Service GmbH Haan im Dienst von Apotheken. Welche Leistungen das Unternehmen neben der Rezeptabrechnung bietet, stellte Vertriebsleiterin Katja Frey vor. Neben der Verarbeitung von Papier- und E-Rezepten übernehme das Unternehmen die technische und fachliche Prüfung der Abrechnungsdaten, die Archivierung von Unterlagen sowie die Übermittlung an die Krankenkassen.

Einen weiteren Schwerpunkt bilden Angebote zur Unterstützung des Apothekenalltags. Als Beispiel nannte Frey das Kundenportal »AHa!«, über das Apotheken unter anderem Abrechnungsdaten und E-Rezepte einsehen oder Zuzahlungen korrigieren können. Vorgestellt wurden außerdem Lösungen für das digitale Pflegehilfsmittel-Management sowie die Dokumentation von AMK-Meldungen und Rückrufen.

Darüber hinaus ging Frey auf Finanzierungs- und Abrechnungsleistungen ein. So können Apotheken unter bestimmten Voraussetzungen vorgezogene Auszahlungen von Abrechnungserlösen in Anspruch nehmen. Zudem erläuterte sie Instrumente, die helfen sollen, Abrechnungsfehler und Retaxationen zu vermeiden.

Die Apotheke digital erreichbar machen

Wie Apotheken ihre Leistungen digital anbieten und organisieren können, zeigte Jan-Florian Schlapfner von IhreApotheken.de. Der Generalbevollmächtigte stellte die Webseite IhreApotheken.de und die zugehörige App vor, über die Apotheken etwa E-Rezepte und Bestellungen digital entgegennehmen, Botendienste koordinieren und mit ihren Kunden kommunizieren können. Zudem lasse sich das System an die Warenwirtschaft anbinden, sodass Sortiment, Preise und Verfügbarkeiten automatisch übernommen werden können.

Schlapfner betonte, dass es in Zeiten zunehmender Konkurrenz durch den Onlinehandel für Vor-Ort-Apotheken essenziell sei, digitaler und im Netz sichtbarer zu werden. Sein Fazit: Wenn Apotheken künftig stärker Aufgaben in der wohnortnahen Gesundheits- und Primärversorgung übernehmen sollen, werde auch eine entsprechende digitale Infrastruktur zunehmend wichtiger. Bereits mehr als 8000 Apotheken nutzten IhreApotheken.

Damit ließen sich beispielsweise auch Termine für Impfungen vereinbaren und die Impfdokumentation digital abwickeln. Auch für pDL könnten und weitere Gesundheitsdienstleistungen könnten Termine organisiert werden.

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