Die Honigbiene ist einer der häufigsten Ursachen von allergischen Stichreaktionen in Mitteleuropa. / © Adobe Stock/bjoerno
Bienen und Wespen sind Stechimmen aus der Gruppe der Hautflügler (Hymenopteren). Ihr Gift enthält Allergene, die bei einem Stich zu einer lokalen Reaktion führen. Bis zu einem Durchmesser von 10 cm wird diese laut der S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) als normal bezeichnet. Zu den häufigsten Auslösern von klinisch relevanten Stichreaktionen zählen in Mitteleuropa Honigbienen (Apis mellifera) und verschiedene Faltenwespen wie Vespula vulgaris und seltener Hornissen, Feldwespen sowie Hummeln. Nur sporadisch finden sich Reaktionen auf Ameisen wie die selten vorkommende Feuerameise.
Etwa 3 Prozent der Bevölkerung zeigen bei einem Bienen- oder Wespenstich eine systemische allergische Reaktion. Diese basiert auf Hymenopterengift-spezifischen IgE-Antikörpern (HG-sIgE), die bei einer vorausgegangenen Sensibilisierung im Körper gebildet wurden. Die IgE-Antikörper binden an Fc-Rezeptoren auf Mastzellen und basophilen Granulozyten und liegen nur in geringen Mengen frei im Blut vor. Bei einer erneuten Exposition kann ihre Vernetzung zu einer Signalkaskade mit Freisetzung von Mediatoren wie Histamin, Prostaglandinen und Zytokinen führen, die eine IgE-vermittelte Soforttypallergie mit lokalen und gegebenenfalls systemischen allergischen Reaktionen einleiten.
Schwerwiegende Fälle sind allerdings selten. So wurden zwischen 2015 und 2019 jährlich 16 bis 29 Todesfälle infolge von Bienen-, Wespen- oder Hornissenstichen dokumentiert. Patienten mit schwerer Insektengiftallergie sollten stets einen Adrenalin-Autoinjektor als Notfallmedikament mit sich führen.
Wenn Allergiesymptome bei einem Insektenstich über die Haut hinausgehen (Anaphylaxie Grad I), sollte laut Leitlinie die Serumkonzentration der Tryptase bestimmt werden. Erhöhte Werte, eine erhöhte Zahl an Mastzellen (Mastozytose) oder auch der Nachweis von sIgE sind Risikofaktoren für verstärkte anaphylaktische Reaktionen auf Insektengifte. Neben Bienen und Wespen ist dabei auch an blutsaugende Insekten zu denken; sie können ebenfalls allergische Reaktionen auslösen, wenn auch wesentlich seltener schwerwiegend.