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Ibuprofen und Co.

Schmerzmediziner fordern Verschreibungspflicht

Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) dringt darauf, der rezeptfreien Abgabe nicht opioidhaltiger Analgetika in den Apotheken ein Ende zu setzen. Das Ziel der Fachgesellschaft ist es, die Verbraucher vor Suchterkrankungen zu schützen.
Christina Müller
06.09.2019
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Mit Blick auf den kürzlich veröffentlichten Suchtsurvey 2018 kritisieren die Schmerzmediziner »unkontrollierte Abgabebedingungen, die nach der vorliegenden Datenlage Suchterkrankungen mit Analgetika fördern». Laut Survey hatte fast jeder Dritte (31,4 Prozent) in den letzten 30 Tagen vor der Befragung Schmerzmittel eingenommen, die nicht vom Arzt verordnet worden waren.

DGS-Präsident Johannes Horlemann warnt davor, dass der unsachgemäße Gebrauch rezeptfreier Analgetika medikamenteninduzierten Kopfschmerz auslösen kann. Um diesen zu bekämpfen, greifen Betroffene häufig weiter zu Schmerzmittel, was in vielen Fällen zu Abhängigkeit führt. Die Ergebnisse des Suchtsurveys zeigten, dass für den Großteil der Abhängigkeitserkrankungen apothekenpflichtige Analgetika und nicht etwa Opioide verantwortlich sind. »Somit unterstützt die Datenlage eine seriöse Opioidtherapie im schmerzmedizinischen Bereich«, betont Horlemann.

Keineswegs sei in Deutschland eine Entwicklung zu beobachten, die mit der Opioidkrise in den USA vergleichbar wäre. Stattdessen sieht die DGS Hinweise darauf, dass »vorrangig die psychische Komorbidität bei Schmerzmittelsucht im Nicht-Opioidbereich die Problematik in Deutschland erklärt». Aus diesem Grund plädiert sie dafür, die rezeptfreie Abgabe von Schmerzmitteln an Patienten verstärkt zu kontrollieren oder ganz zu verbieten. »Denn die gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Folgen dieses Missstandes sind eine schwere Belastung für die gesamte Gesellschaft«, sagt Horlemann.

 

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