Ruhe und eine Wärmflasche sind die halbe Miete bei Regelschmerzen. / © Getty Images/Charday Penn
Krampfartige Bauchschmerzen gehören zum Beratungsalltag einer jeden Apotheke. Dabei seien es vor allem die Betroffenen von Reizdarm- und Zyklusbeschwerden, die den Rat des Apothekenteams einholen, sagte Ude bei einem Webcast des Unternehmens Opella. Viele von ihnen haben wiederkehrende, teils deutlich belastende Symptome, bestätigt eine aktuelle repräsentative Umfrage von Bilendi im Auftrag dieser Pharmafirma unter 1100 Betroffenen.
Als »wertvollen Teil der Offizinarbeit« sieht Ude die wichtige Lotsenfunktion, die das pharmazeutische Personal innehat. Er forderte eine genaue Fragestrategie, um Ausschlussdiagnosen treffen zu können. »Red Flags müssen wir durch sinnvolles Nachfragen in der Beratung ausschließen. So dürfen etwa bei funktionellen Magen-Darm-Beschwerden organische Ursachen nicht übersehen werden. Und bei sich wiederholenden Schilderungen von Menstruationsbeschwerden ist zum Beispiel auch an Endometriose zu denken und der Arztbesuch zu empfehlen.«
Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Die Mehrheit der Patienten kommt bei Bauchschmerzen bereits mit dem Wunsch nach einem Schmerzmittel in die Apotheke. »Bei krampfartigen Schmerzen greift dieser Ansatz jedoch zu kurz«, so der Fachapotheker für Arzneimittelinformation. Diese lägen sehr oft dann vor, wenn die Kundin oder der Kunde ihre Beschwerden als »krampfartig«, »wellenförmig« oder »ziehend« beschreiben. Das seien laut Ude wichtige Signalwörter, um als abgebende Person die geeignete Präparatewahl treffen zu können.
»Es gilt, den Patientinnen und Patienten zu erläutern, dass der Schmerz in diesem Fall die Folge eines krampfartigen Primärproblems ist. Eine Kontraktion der glatten Muskulatur ist als Trigger für einen Spasmus verantwortlich. Hieraus resultiert dann ausgehend von einer Dehnung ein Schmerzsignal. Patientinnen und Patienten müssen verstehen, dass der Schmerz ein Resultat dieses Krampfes ist. Oder umgekehrt: Das pharmazeutische Personal muss den Patienten erklären, dass erst durch die Muskelentspannung die Schmerzen und damit das vermeintlich primäre Symptom nachlassen«, erläuterte Ude die Aufklärungsarbeit in der Offizin.
Im Sinne einer zielgerichteten Arzneimitteltherapie biete sich also zur Linderung viszeraler Schmerzen im Magen-Darm- und im Urogenitaltrakt eine Senkung des Muskeltonus durch Spasmolyse an. Auch die aktualisierte S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom und eine aktuelle Expertenempfehlung zur Pharmakotherapie abdomineller Krämpfe wertet Spasmolytika als zentrale Therapieoption.
Für die Selbstmedikation steht Butylscopolamin (Buscopan® Dragees) als einziges Spasmolytikum zur Verfügung. Als Parasympatholytikum fährt es die Nerven- und Muskelaktivität über muskarinerge M2- und M3-Rezeptoren herunter und hemmt so Acetylcholin vermittelte Kontraktionen der glatten Muskulatur. »Dies hat den Vorteil, dass die Ursache der Schmerzentstehung bei Dysmenorrhö oder Reizdarm behandelt und nicht nur die Weiterleitung von Schmerzstoffen unterbunden wird.«