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Zeitumstellung

Schlafmediziner bevorzugen Winterzeit

Am Wochenende wird wieder einmal an der Uhr gedreht – vielleicht zum vorletzten Mal, denn ab nächsten Herbst steht es den EU-Mitgliedsstaaten frei, ob sie dauerhaft lieber die Sommer- oder die Winterzeit einführen wollen. Schlafmediziner plädieren für die Normalzeit, die landläufig als Winterzeit bezeichnet wird.
Daniela Hüttemann
26.10.2018  16:00 Uhr

Diesen Sommer hatten sich mehr als 4,6 Millionen EU-Bürger an einer Umfrage der Europäischen Kommission beteiligt. Mehr als 80 Prozent sprachen sich gegen die Zeitumstellung aus. Die Umfrage war zwar nicht verbindlich, die EU-Kommission beugte sich dem Votum aber im September und schlug vor, dass der zweijährliche Uhrzeit-Wechsel 2019 beendet werden soll. Die Mitgliedsstaaten dürfen jeder für sich entscheiden, ob sie dauerhaft bei der Sommer- oder der Normalzeit bleiben wollen.

Noch gibt es einem Bericht der »Berliner Morgenpost« vom 10. Oktober zufolge keine abgestimmte Haltung der Bundesregierung, wie die Uhren in Deutschland weiterticken sollen. Man wolle sich aber wohl mit den anderen EU-Ländern abstimmen. Bis April soll jeder Staat sich entschieden haben. Wer dann bei der Sommerzeit bleiben will, stellt im März 2019 zum letzten Mal um. Entscheidet sich ein Land für die Normalzeit, wird im Herbst 2019 zum letzten Mal an der Uhr gedreht.

Schlafmediziner heißen zunächst einmal die Abschaffung der Zeitumstellung gut. »Die Zeitumstellung ist in jeder Form ein aufgezwungener Jetlag, allerdings ohne den positiven Effekt, dass wir in Urlaub fahren«, erklärt der Neurologe Professor Dr. Peter Young vom Universitätsklinikum Münster, der auch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) ist. 90 Prozent der Menschen kämen damit klar. Die anderen 10 Prozent hätten jedoch nachhaltige Schwierigkeiten und litten häufig sowieso schon unter chronischen Schlafstörungen. Jeder Mensch brauche vier bis fünf Tage für die Umstellung der Körperfunktionen, wenn das Zifferblatt vor- oder zurückgedreht wird.

Sowohl für die Sommer- als auch für die Normalzeit gibt es gute Argumente. So bevorzugt mancher gern dauerhaft die Sommerzeit, um lange, helle Abende draußen zu genießen. Schlafmediziner sehen das anders: »Wenn wir gefragt werden, ob Sommer- oder Winterzeit, dann präferieren die Spezialisten weltweit die Winterzeit, weil dann die Abende nicht ganz so lang sind und sich dadurch das generelle Schlafdefizit in der Gesellschaft nicht auch noch künstlich vergrößert«, so Young.

Laut EU-Kommission werden der Zeitumstellung positive Effekt durch mehr Freizeitaktivitäten im Freien zugeschrieben. Dagegen sprechen Erkenntnisse aus der Chronobiologie, wonach die Auswirkungen auf den menschlichen Biorhythmus stärker sein könnten als bislang angenommen. Es lägen noch keine eindeutigen Erkenntnisse über die Gesamtwirkung auf die Gesundheit vor, so die EU-Kommission.

Auch zum Zusammenhang zwischen Sommerzeitregelung und Unfällen im Straßenverkehr gäbe es noch keine gesicherten Erkenntnisse. Grundsätzlich könne Schlafverlust aufgrund der Vorstellung der Uhren im Frühjahr das Unfallrisiko erhöhen. Gleichzeitig werde angenommen, dass die verlängerte Tageslichtphase an Sommerabenden positive Auswirkungen auf die Sicherheit im Straßenverkehr hat. Das wichtigste Argument für die EU-weiten Einführung der Sommerzeit war damals die Hoffnung, Energie einzusparen. Hier spricht die EU-Kommission aber nach heutigem Kenntnisstand nur von marginalen Effekten.

Foto: Fotolia/Stockwerk-Fotodesign

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