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Runde Sache gegen kreisrunden Haarausfall

Wissenschaftler im Saarland sind auf einem guten Weg, kreisrunden Haarausfall mithilfe von gezieltem Wirkstofftransport besser behandeln zu können. Nach erfolgreichen Vorarbeiten wollen sie nun Tests mit wirkstoffbeladenen Nanopartikeln angehen.
Sven Siebenand
04.11.2019
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Wie einer Pressemitteilung der Universität des Saarlandes zu entnehmen ist, handelt es sich um ein Kooperationsprojekt von Forschern des Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS), des Fachbereichs Pharmazie der Universität und Medizinern des Universitätsklinikums. Publiziert wurde die Arbeit von Erstautorin Rebekka Christmann im »Journal of Investigative Dermatology«.

Alopecia areata, der kreisrunde Haarausfall, tritt seltener auf als die androgenetische Alopezie, die zum Beispiel mit Finasterid therapiert werden kann. Dennoch sind schätzungsweise rund 2 Prozent der Weltbevölkerung davon betroffen. Bei Alopecia areata entstehen kreisrunde kahle Stellen auf dem Kopf. Es handelt sich um einen entzündlich bedingten, reversiblen Haarausfall. »Über Entzündungen auf der Kopfhaut werden Botenstoffe freigesetzt, die den Haarfollikeln mitteilen, keine Haare mehr zu produzieren«, erläutert Professor Dr. Thomas Vogt vom Universitätsklinikum Homburg. In der Therapie setzen Ärzte auch Immunsuppressiva, oft Glucocorticoide, ein.

»Um die Arzneimittelbelastung zu minimieren, wäre es von Vorteil, die Wirkstoffe direkt an ihren Wirkort, nämlich in die Haarfollikel, zu bringen«, sagt Professor Dr. Claus-Michael Lehr, der am HIPS die Abteilung Wirkstoff-Transport leitet. Seine Idee ist es, dies mithilfe von biologisch abbaubaren Nanopartikeln zu ermöglichen. Dass es grundsätzlich möglich ist, Wirkstoffe mithilfe von Nanopartikeln in Haarfollikel einzuschleusen, hat der pharmazeutische Technologe gemeinsam mit anderen Forschern bereits zum Beispiel an behaarter Haut des menschlichen Unterarms zeigen können. Für den Kopf war der Mechanismus aber bisher nicht nachgewiesen. Darüber hinaus hat man sich bei den aktuellen Untersuchungen die Frage gestellt, ob Nanopartikel überhaupt in Haarfollikel eindringen können, die vom Haarausfall betroffen sind.

Als Partikel haben die Wissenschaftler biologisch abbaubare, biokompatible Polymere genutzt, die sie mit einem fluoreszierenden Farbstoff markiert haben. Lehr zufolge konnten sie nachweisen, dass das, was für Unterarme gilt, auch für das Haupthaar zutrifft – selbst dann, wenn das Haar erkrankt und der Haarschaft nicht mehr vorhanden ist. Mittels dermatologischer Untersuchungen, bei denen die Haut mikroskopisch bis in tiefere Schichten untersucht wird, fanden die Forscher heraus, dass im Haarfollikel ein Wirkstoffdepot angelegt wird. »Die Nanopartikel lagern sich im oberen Teil der Haarfollikel ab«, informiert Vogt. Es werde angenommen, dass eine Substanz von dort kontrolliert freigesetzt wird und sie von dort an den Grund des Haarfollikels diffundiert und von den follikulären Epithelzellen und Immunzellen aufgenommen wird.

Im nächsten Schritt wollen die Wissenschaftler die Nanopartikel mit Wirkstoffen beladen. Lehr zufolge geht es dann darum, den reinen Wirkstoff und die wirkstoffbeladenen Nanopatikel miteinander zu vergleichen.

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