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Ausblick Finanzmarkt

Ruhe bewahren

Die Zinsen sind und bleiben niedrig: Wer Geld braucht hat Glück, wer anlegen möchte nicht, berichtete Andreas Onkelbach von der Deutschen Apotheker- und Ärztebank auf dem PZ-Managementkongress in Palma de Mallorca. Auf Dauer haben Realwerte die beste Performance – und das braucht Zeit.
Daniela Hüttemann
06.04.2019
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Dass die europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen anhebt, ist nicht abzusehen. »Wir befinden uns immer noch im Bereich der Negativzinsen«, so Onkelbach, der den Bereich Privatkunden der Apo-Bank leitet. Kreditnehmer lebten daher derzeit in den besten aller Welten, wobei darauf zu achten sei, dass die Finanzierung langfristig sein sollte. Die niedrigen Zinsen bedeuteten aber auch, dass Geldanlagen keine Zinsen mehr bringen. Onkelbach riet, auf Aktien zu setzen und breit gestreut anzulegen. Wie gefährlich Einzelaktien sind, zeige aktuell das Beispiel Bayer. Außerdem sollten Aktienanlagen langfristig betrachtet werden, erläuterte der Ökonom und verglich die Anlage mit Pizzabacken. »Da käme man auch nicht auf die Idee, nach einer Minute nachzuschauen, ob sie schon fertig ist.« Richtig wäre, konsequent in fallende Märkte zu kaufen, was aus psychologischen Gründen die wenigsten machten. Mit einem Investmentsparplan, der kontinuierlich Aktien zukauft, würde dieses Problem umgangen.

Langfristig betrachtet lieferten Realwerte wie Aktien und Immobilien die besten Ergebnisse. Gerade die Immobilienpreise in Deutschland kennen nach 20 Jahren Stagnation seit 2010 nur eine Richtung – nach oben. Ein Ende dieser Entwicklung sei noch nicht abzusehen. »Die Preise sind in Deutschland im internationalen Vergleich noch niedrig.«

Insgesamt trübe sich die Weltwirtschaft ein wenig ein, berichtete Onkelbach. Von einer Rezession sei noch nicht die Rede, aber es gebe erste Warnzeichen. Gefährlich sei, dass die größte Volkswirtschaft der Welt China schwächele. Ein zentrales Risiko dieses Jahres für die Weltwirtschaft sei daher der Handelskrieg zwischen USA und China. »Das trifft auch Deutschland als Exportnation massiv, weil internationale Warenströme gestört werden«, sagte Onkelbach. Ein großes Risiko sei auch der Brexit, zu dem aus politischer Sicht noch keine Prognose gegeben werden könne. Worst case aus ökonomischer Sicht sei der Austritt ohne Abkommen: »Das ist Selbstmord.«

Risiken brächte auch die Digitalisierung mit sich: Sie werde massive Verwerfungen hervorrufen, die zur Neubewertung ganzer Industrienationen führen wird. Als Beispiel nannte Onkelbach selbstfahrende Autos, die in absehbarer Zeit auf den Markt kommen werden, was die Automobilindustrie dramatisch verändern wird. Das gelte auch für 3D-Drucker, mit denen inzwischen nicht nur beispielsweise Flugzeugbauteile und Medikamente, sondern sogar schon Einfamilienhäuser gedruckt werden könnten. Auch diese Entwicklungen hätten das Potenzial, ganze Industrien zu verändern.

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