Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Ultraverarbeitete Lebensmittel
-
Risiko für Verhaltensprobleme bei Kindern?

Knapp die Hälfte der täglichen Kalorienzufuhr von Vorschulkindern in Kanada stammt aus ultraverarbeiteten Lebensmitteln. Was dies für ihre psychische Entwicklung bedeutet, war bislang kaum untersucht. Jetzt liefert eine prospektive Kohortenstudie erstmals systematische Evidenz.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 05.03.2026  11:00 Uhr
Risiko für Verhaltensprobleme bei Kindern?

Ein Team um Dr. Meaghan E. Kavanagh vom Department of Nutritional Sciences der University of Toronto in Kanada wertete im Rahmen der kanadischen CHILD Cohort Study die Ernährungsdaten von 2077 Kindern aus. Deren Lebensmittelaufnahme wurde mit drei Jahren detailliert erfasst und ihr Verhalten zwei Jahre später standardisiert gemessen. Die Ergebnisse der Studie, die jetzt im Fachjournal »JAMA Network Open« publiziert wurden, zeigen, dass Kinder, die im Alter von drei Jahren mehr ultraverarbeitete Lebensmittel (ultraprocessed food, UPF) konsumierten, mit fünf Jahren ausgeprägtere Verhaltens- und Emotionsprobleme zeigten als Kinder mit geringerem Konsum. Dies betraf sowohl Ängstlichkeit, Rückzug und depressive Verstimmungen (Internalisierungswert), als auch aggressives und hyperaktives Verhalten (Externalisierungswert).

Die Ernährung der in die Studie eingeschlossenen Kinder wurde über einen validierten 112-Item umfassenden Ernährungshäufigkeitsfragebogen, dessen Items systematisch nach dem NOVA-Klassifikationssystem nach Verarbeitungsgrad kategorisiert wurden, erfasst. Als Verhaltensmaß diente die etablierte »Child Behavior Checklist« (CBCL) in ihrer Vorschulversion.

Berücksichtigt in der Analyse wurde ein breites Spektrum potenzieller Störgrößen, darunter pränataler Stress der Mutter, deren Bildungsniveau und eigene Ernährung, Geburtsparameter, Stilldauer, Geschwisterstatus, Haushaltseinkommen, körperliche Aktivität sowie Body-Mass-Index des Kindes.

Im Alter von fünf Jahren lagen die mittleren CBCL-Werte bei 44,6 für internalisierende Auffälligkeiten, 39,6 für externalisierende Auffälligkeiten und 41,2 für das Gesamtverhalten. Die Forschenden konnten zeigen, dass jede Steigerung des Energieanteils aus ultraverarbeiteten Lebensmitteln um 10 Prozentpunkte mit einem um 0,81 Punkte höheren Internalisierungswert, einem um 0,47 Punkte höheren Externalisierungswert und einem um 0,64 Punkte höheren CBCL-Gesamtscore assoziiert war.

»Angesichts der hohen Prävalenz des UPF-Konsums können selbst geringe Zusammenhänge bedeutende Auswirkungen auf die Bevölkerung haben, insbesondere angesichts der Zusammenhänge zwischen psychischer und physischer Gesundheit«, schreiben die Autoren. Im Studiendurchschnitt machten ultraverarbeitete Produkte immerhin 45,5 Prozent der täglichen Energiezufuhr der Dreijährigen aus.

Mehr von Avoxa