| Laura Rudolph |
| 13.05.2026 18:00 Uhr |
Insbesondere Personen, die weniger als acht Stunden schlafen, sollten täglich etwa zur gleichen Uhrzeit ins Bett gehen, um das Herz-Kreislauf-System zu schützen. Das impliziert jedenfalls eine Beobachtungsstudie aus Finnland. / © Getty Images/DragonImages
Wer im mittleren Lebensalter weniger als acht Stunden schläft und dazu noch zu verschiedenen Zeiten ins Bett geht, hat der Studie zufolge ein rund doppelt so hohes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Menschen mit vergleichbarer Schlafdauer, aber regelmäßigem Rhythmus. Bei Personen, die insgesamt länger schliefen, wirkte sich die Regelmäßigkeit der Zubettgehzeit kaum auf das kardiovaskuläre Risiko aus, wie eine Forschungsgruppe der Universität in Oulu in Finnland jetzt im Fachjournal »BMC Cardiovascular Disorders« berichtete.
Um herauszufinden, wie sich Dauer und Regelmäßigkeit des Schlafs auf das kardiovaskuläre Risiko auswirken, griff das Team um Dr. Laura Nauha auf Daten von 3231 Personen aus Finnland mit dem Geburtsjahr 1966 zurück, die bei einer großen, prospektiven Kohortenstudie mitmachen (Northern Finland Birth Cohort 1966).
2012, im Alter von 46 Jahren, nahmen sie an umfangreichen Untersuchungen teil. Dabei füllten sie etwa Fragebögen zu Lebensstil und Arbeit aus, bekamen BMI, Blutdruck, Glucose- und Blutfettwerte bestimmt und trugen zwei Wochen lang einen Aktivitätstracker. Außerdem ermittelte ein Wearable am Handgelenk sieben Tage lang, wann die Teilnehmenden einschliefen und aufwachten.
Die Forschenden werteten anschließend aus, wer in den folgenden zehn Jahren ein schweres Herz-Kreislauf-Ereignis wie Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitt, und verknüpften diese Daten mit den 2012 gemessenen Schlafdaten. Dabei rechneten sie den Einfluss von kardiovaskulären Risikofaktoren heraus. Schichtarbeiter wurden zuerst ganz normal mit einbezogen, ihr Arbeitsstatus wurde aber ebenfalls statistisch »mitgedacht«. In einer zusätzlichen Analyse wurden sie komplett ausgeschlossen.
Die beobachteten Personen schliefen im Median 7 Stunden und 56 Minuten, also knapp acht Stunden pro Nacht. Um die Schlafregelmäßigkeit zu bestimmen, untersuchten die Forschenden, wie stark die Einschlafzeiten von Tag zu Tag variierten. Dafür berechneten sie die durchschnittliche Abweichung innerhalb einer Woche. Als regelmäßig galt ein Schlafrhythmus mit maximal etwa ±33 Minuten Abweichung, als mittelmäßig bei rund ±59 Minuten und als unregelmäßig bei etwa ±108 Minuten – also fast zwei Stunden Unterschied zwischen einzelnen Tagen.
In der Nachbeobachtungszeit von rund zehn Jahren erlitten 128 Teilnehmer (4,0 Prozent) ein schwerwiegendes Herz-Kreislauf-Ereignis. Wer kürzer als der Median (≤ 7h 56min) schlief und dazu unregelmäßig ins Bett ging, hatte ein etwa doppelt so hohes Risiko für ein solches Ereignis (Hazard Ratio: 2,01). Die Regelmäßigkeit der Aufstehzeit spielte hingegen keine Rolle. Bei Personen mit längerer Schlafdauer (> 7h 56min) zeigten sich insgesamt keine Zusammenhänge zwischen Schlafregelmäßigkeit und Herz-Kreislauf-Risiko. Die Ergebnisse blieben auch stabil, als Schichtarbeiter aus der Analyse ausgeschlossen wurden.