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Scheidenpilz

Risiko für Fehlgeburten unter Fluconazol

Eine orale Behandlung einer Vaginalinfektion mit Fluconazol ist zwar nicht Erstlinientherapie bei Schwangeren, wird jedoch des Öfteren durchgeführt. Bislang wurde das Risiko für Missbildungen als niedrig eingeschätzt. Eine kanadische Kohortenstudie liefert weitere Daten.
Daniela Hüttemann
19.02.2019
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Kanadische Wissenschaftler haben den Einfluss von niedrig und hoch dosiertem oralen Fluconazol während der Schwangerschaft auf Fehlgeburten und Missbildungen beim Fetus genauer untersucht. Dazu werteten sie die Daten der 441.949 Teilnehmerinnen der Quebec Pregnancy Cohort aus, die von 1998 bis 2015 in dem kanadischen Staat erhoben wurde. 

Die Forscher um Dr. Anick Bérard von der Universität Montréal stellten fest, dass eine orale Fluconazol-Behandlung vaginaler Pilzinfektionen während des ersten Schwangerschaftsdrittels mit einem erhöhten Risiko für spontane Aborte einher ging. Knapp 30.000 Schwangerschaften endeten vorzeitig zwischen der 6. und 19. Schwangerschaftswoche. Dabei waren Schwangerschaften, bei denen der Fetus teratogenen Substanzen wie Valproat, Carbamazepin und Lithium ausgesetzt war, bereits ausgeschlossen.

Von den 29.458 Frauen mit frühen Fehlgeburten hatten 1701 (0,53 Prozent) niedrig dosiertes Fluconazol oral erhalten (Einmaldosis 150 mg), 891 Frauen (0,28 Prozent) hatten eine höhere Dosis bekommen. Unter der niedrigen Dosis traten rein rechnerisch mehr als doppelt so viele Fehlgeburten auf wie ohne Therapie (Odds Ratio 2,23), unter der höheren Dosis sogar mehr als dreimal so viele (Odds Ratio 3,20). Die Ergebnisse waren statistisch signifikant, schreiben die Forscher im Fachmagazin »Canadian Medical Association Journal«.

Zu einer allgemein erhöhten Fehlbildungsrate kam es zwar bei Exposition im ersten Trimester nicht. Doch war die Einnahme hoch dosierten Fluconazols assoziiert mit einem erhöhten Risiko für bestimmte Herzfehlbildungen, nämlich mit Defekten in der Herzscheidewand (Odds Ratio 1,81). 

»Unsere Studie zeigt, dass die Einnahme jedweder Dosis oralen Fluconazols während der Schwangerschaft mit einem erhöhten Risiko für eine Fehlgeburt verknüpft sein könnte«, fasst Erstautorin Bérard zusammen. Die Einnahme höher dosierten Fluconazols im ersten Schwangerschaftsdrittel könnte das Risiko für ein Neugeborenes mit Herzfehler erhöhen. Einen Zusammenhang mit Totgeburten konnten die Forscher dagegen nicht feststellen.

Die Autoren schränken ein, dass die Zahl der Schwangeren, die orales Fluconazol eingenommen hatten, relativ gering war; die Daten stimmten aber mit den Ergebnissen anderer Studien zu dem Thema überein. In einem begleitenden Kommentar empfehlen die Gynäkologinnen Dr. Vanessa Paquette und Dr. Chelsea Elwood aus Vancouver: »Die Studie betont noch einmal eine sichere Verordnungspraxis während der Schwangerschaft. Dazu gehört die Bestätigung der korrekten Diagnose und die Wahl der sichersten Medikation mit dem größten Datensatz für die Anwendung während der Schwangerschaft und in der niedrigst möglichen Dosierung.«

Kein Grund für Abbruch

Laut der Datenbank Embryotox gilt der Erfahrungsumfang beim Einsatz von oralem Fluconazol in der Einmaldosis von 150 mg als sehr hoch. Fast 9000 dokumentierte Schwangerschaftsverläufe zu Fluconazol, überwiegend nach einmaliger Einnahme von 150 mg im ersten Trimenon, hätten keine eindeutigen Hinweise auf eine erhöhte Gesamtfehlbildungsrate erbracht. Eine erhöhte Abortrate und eine Assoziation mit Herzfehlbildungen ist allerdings auch aus dänischen Registerstudien bekannt. Beobachtungen zu der Einnahme im zweiten oder dritten Trimenon würden nach bisheriger Beobachtung gegen ein fetotoxisches Risiko sprechen.

Nichtsdestotrotz gilt: Die topische Therapie mit Clotrimazol, Miconazol oder Nystatin gilt als Mittel der Wahl bei Schwangeren mit vaginalen Pilzinfektionen. »Eine systemische antimykotische Therapie mit Fluconazol sollte nur bei zwingender Indikation und möglichst nicht im 1. Trimenon erfolgen«, rät Embryotox. Über eine systemische Therapie müsse individuell entschieden werden. Eine Exposition mit Fluconazol rechtfertige weder einen Schwangerschaftsabbruch noch invasive Diagnostik. Die Entwicklung des Feten kann mittels Ultraschall kontrolliert werden.

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