| Ev Tebroke |
| 25.02.2026 12:10 Uhr |
Außerordentliche Versammlung: Die ABDA-Mitglieder haben heute in Berlin ein politisches Zeichen gesetzt. / © PZ
»Abwarten ist keine Option mehr«, unterstrich ABDA-Präsident Thomas Preis zu Beginn einer außerordentlichen Mitgliederversammlung heute in Berlin. »Die Bundestagswahl liegt genau 367 Tage zurück. Der Koalitionsvertrag wurde vor rund elf Monaten veröffentlicht. Seit zehn Monaten ist die neue Bundesregierung im Amt. Und dennoch sind die für uns zentralen Punkte daraus bis heute nicht umgesetzt: die Erhöhung des Fixums auf 9,50 Euro. Und eine verbindliche Regelung für jährliche, faire Nachverhandlungen mit den Krankenkassen.«
Jetzt müsse die Politik liefern, forderte Preis. »Ohne Wenn und Aber.« Diese Tatsache war dann auch der Grund für die heutige außerordentliche Mitgliederversammlung. Denn heute hatten die Mitglieder über zwei entscheidende politische Maßnahmen zu entscheiden, um die Forderungen der Apothekerschaft durchzusetzen: eine Resolution und den Start der Protestphase mit einem ersten Protesttag am 23. März.
Das Fixum müsse umgehend erhöht werden, so Preis. Angesichts der zahlreichen, andauernden Apothekenschließungen brauche es jetzt Tempo. »Denn täglich schließen bis zu zwei Apotheken. Jeden Tag verlieren wir Versorgungsstruktur. Jeden Tag wird unser Apothekennetz dünner. Und ein Ende dieser brandgefährlichen Entwicklung ist nicht in Sicht, wenn nicht jetzt zeitnah das Fixum erhöht wird«, betonte der ABDA-Präsident.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) habe mehrfach und glaubhaft erklärt, dass das Fixum – wie im Koalitionsvertrag vereinbart – erhöht wird. Die heute zu beschließenden Maßnahmen hätten zwei Ziele: die Bedeutung der Apotheken für Politik und Gesellschaft unmissverständlich deutlich zu machen und die Bundesgesundheitsministerin dabei zu unterstützen, ihre klare Zusage umzusetzen.
Auch mit Blick auf die Leistungen der Apotheken in der Coronapandemie unterstrich Preis: »Ein System, das in der größten Gesundheitskrise unserer Zeit Stabilität garantiert hat, jetzt wirtschaftlich auszutrocknen und durch geplante Änderungen im ApoVWG zu schwächen, das wäre fahrlässig und unverzeihlich. Da müssen wir dagegenhalten. Da lassen wir nicht mit uns verhandeln.« Neben der bislang ausbleibenden wirtschaftlichen Stärkung durch ein höheres Fixum geht es der Apothekerschaft dabei vor allem auch um die Verhinderung einer mit der Reform angedachten »Apotheke light«, bei der eine befristete Leitung durch eine PTA möglich sein soll.
Preis verwies explizit auf die wichtige Rolle der Apotheken als Ort der Daseinsvorsorge und Garant des Gemeinwohls. Dabei bezog er sich auf Aussagen des renommierten Politikwissenschaftlers Professor Karl-Rudolf Korte. Dieser hatte vergangenes Wochenende beim Zukunftskongress in Bonn öffentliche Apotheken als »Demokratieorte« und als »Resilienzinstitutionen« bezeichnet. Wer Daseinsvorsorge sichere, schaffe Gemeinwohl.
Und dort, wo Daseinsvorsorge nicht mehr erkennbar ist, entwickele sich Radikalität. Für Preis ist das mehr als eine politische Analyse. »Das ist ein gesellschaftlicher Auftrag.«
»Wir sind nicht gegen etwas! Wir sind für etwas!«, so der ABDA-Präsident. »Wir sind für Ministerin Warken, damit sie ihr Versprechen umsetzen kann.« Preis betonte dabei jedoch auch: »Wir kämpfen aber nicht nur für ein Honorar.
Wir kämpfen für Versorgungssicherheit. Für Vertrauen. Für Gemeinwohl.«
Die am Montag gezeichnete Petition gegen das Apothekensterben und die sofortige Umsetzung des Koalitionsvertrags habe schon jetzt rund 15.000 Unterschriften. Preis wertet dies als deutliches Zeichen: »Wir sind nicht allein mit unseren Forderungen.« Dies gebe der Apothekerschaft auch »Rückenwind und Legitimation, unsere Protestmaßnahmen weiter auszudehnen und zu verschärfen«.
Mit der heute einstimmig verabschiedeten Resolution will die Apothekerschaft der Dringlichkeit des politischen Zugzwangs Nachdruck verleihen.
Die Resolution im Wortlaut:
Die ABDA-Mitgliederversammlung stellt fest, dass Apotheken ein tragender Pfeiler der Gesundheitsversorgung sind – heute, morgen und insbesondere in Krisenzeiten. Wer ihre wirtschaftliche und rechtliche Stabilität schwächt, gefährdet die Versorgung der Patientinnen und Patienten.
Die wohnortnahe Arzneimittelversorgung in Deutschland steht an einem kritischen Wendepunkt. Alle 20 Stunden schließt eine Apotheke. Damit gehen Versorgungssicherheit, persönliche Beratung und niedrigschwellige Gesundheitsangebote unwiederbringlich verloren.
Die Mitgliederversammlung begrüßt ausdrücklich das Ziel von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken, die Apotheken vor Ort zu stärken, und fordert die Bundesregierung und die sie tragenden Fraktionen auf, die im Koalitionsvertrag zugesagte finanzielle Stabilisierung unverzüglich umzusetzen. Die zugesagte Anpassung des Packungsfixums auf 9,50 Euro muss ohne weitere Verzögerung verbindlich erfolgen. Ein weiteres Zögern der politisch Verantwortlichen gefährdet die Versorgungsstrukturen irreversibel.
Die Mitgliederversammlung bekräftigt, dass die persönliche Verantwortung und Präsenz approbierter Apothekerinnen und Apotheker in der Apotheke unverzichtbare Voraussetzungen für die Arzneimitteltherapiesicherheit sind. Reformelemente, die eine »Apotheke ohne Apothekerin oder Apotheker« ermöglichen oder zu einer Entprofessionalisierung führen, lehnt sie entschieden ab.
Alle vier Jahre wird in Deutschland ein neuer Bundestag gewählt. Wir berichten mit Blick auf die Gesundheitspolitik und die Auswirkungen für die Apotheken.