Deutschland hat als Reiseland viel zu bieten. Urlaub im eigenen Land kann daher ganz unterschiedlich aussehen. Eine passende Reiseapotheke sollte immer dabei sein. / © Getty Images/Ted Levine
»Ich möchte verreisen und sollte wohl eine Reiseapotheke mitnehmen. Was gehört denn da rein?« Diese oder ähnliche Fragen werden zur Reisezeit häufiger gestellt, und oft lautet die Antwort zunächst: »Es kommt darauf an.« Wohin geht die Reise? Wer fährt mit? Und bestehen Grunderkrankungen? Mit diesen drei Fragen lassen sich bereits viele Aspekte abdecken.
Zur Standard-Reiseapotheke gehören Arzneimittel, die viele auch zu Hause für Beschwerden griffbereit haben möchten, um nicht erst den Weg in die (Notdienst-)Apotheke antreten zu müssen. Dazu gehören an erster Stelle Medikamente gegen Kopf-, Zahn- oder Menstruationsbeschwerden sowie Fieber. Eingesetzt werden können hier Acetylsalicylsäure (etwa Aspirin®), Ibuprofen (etwa Dolormin®) oder Paracetamol (etwa Ben-u-ron®). Reisen Kinder mit, sollte auch an Zubereitungen und Dosierungen für die entsprechenden Altersgruppen gedacht werden.
Immer ins Gepäck gehört außerdem ein Erst-Hilfe-Set zur schnellen Versorgung kleiner Verletzungen: ein Wunddesinfektionsmittel (zum Beispiel mit Octenidin wie in Octenisept®) und Pflaster in verschiedenen Größen. Steht ein Aktivurlaub mit Wandern, Klettern oder Radtouren an, kann zusätzlich ein Sprühpflaster (wie Flint® oder Hansaplast Zweite Haut®) sinnvoll sein. Dieses lässt sich leicht auch an Stellen auftragen, auf denen Pflaster nicht oder nur schwer halten. Wer einen Wanderurlaub plant, sollte außerdem an Blasenpflaster (wie Compeed®) denken.
In die Reiseapotheke gehört außerdem ein Schutz gegen Mücken, Zecken und andere Plagegeister, vor denen man oft nicht einmal auf einer Städtereise sicher ist. Zuverlässigen Schutz bieten Diethyltoluamid (DEET, zum Beispiel in Anti Brumm®) und Icaridin (wie in Autan®). Auch hier sollte das Alter der Mitreisenden erfragt werden, da sich die jeweiligen Produkte abhängig von der Wirkstoffkonzentration nicht für alle Altersgruppen eignen. Je nach Reisegebiet empfiehlt sich außerdem eine Zeckenkarte, -zange oder -pinzette zur sachgerechten Entfernung der kleinen Blutsauger. Auf das auch hier erforderliche Desinfektionsmittel wurde bereits hingewiesen. Zur Behandlung juckender Hautstellen – etwa nach einem Mückenstich oder bei Sonnenbrand – eignen sich topische Zubereitungen mit einem Antiallergikum (etwa Soventol® oder Fenistil®) oder Hydrocortison.
Auch wer zu Hause auf Sonnenschutz weitgehend verzichtet, sollte bedenken: Im Urlaub hält man sich häufig mehr im Freien auf als daheim; zudem wirken UV-Strahlen in den Bergen und am Meer stärker. Das Risiko für einen Sonnenbrand steigt damit. Daher empfehlen sich ein ausreichender Sonnenschutz und eine Hautpflege nach dem Sonnenbad.
Während der Reise an das Urlaubsziel gehört Reiseübelkeit zu den häufigen Beschwerden, die nicht nur bei Schiffsreisen, sondern auch im Auto oder Reisebus auftreten kann. Grundsätzlich stehen hier chemisch definierte Wirkstoffe wie Dimenhydrinat (zum Beispiel Vomex A®) oder Diphenhydramin (etwa Emesan®) oder pflanzliche Zubereitungen mit Ingwerextrakt (zum Beispiel Zintona®, für Kinder ab sechs Jahren) zur Verfügung. Wer weiß, dass er regelmäßig eine Reiseübelkeit entwickelt, kann diese bereits vor Reiseantritt einnehmen. Für den Akutfall stehen Reisekaugummis (wie Superpep®) zur Verfügung. Bei Kindern ist auch hier auf geeignete Zubereitungen beziehungsweise Dosierungen zu achten. Cave: Dimenhydrinat macht müde.
Mancher Verdauungstrakt reagiert zudem mit »Protest« auf Veränderungen der täglichen Abläufe, auf einen veränderten Mahlzeitenrhythmus und/oder auf ungewohntes Essen – eine Verstopfung oder Durchfall stellt sich ein und beeinträchtigt das Urlaubserlebnis. Daher kann ein Abführmittel eine sinnvolle Ergänzung für die Reiseapotheke sein, etwa mit Bisacodyl (zum Beispiel Dulcolax®) oder Natriumpicosulfat (zum Beispiel Laxoberal®). Kommt es zu Durchfall, stellt der Ersatz von Flüssigkeit und Elektrolyten eine wichtige Maßnahme dar (etwa mit Elotrans® oder Oralpädon®). Um Durchfall zu stoppen, eignen sich Loperamid (beispielsweise Imodium®) oder Racecadotril (etwa Vaprino®). Loperamid kann in der Selbstmedikation bei Kindern ab zwölf Jahren angewendet werden, Racecadotril bei Erwachsenen. Bei fiebrigem Durchfall sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Selbstverständlich gehört auch ein ausreichender Vorrat der verwendeten verschreibungspflichtigen Arzneimittel in die Reiseapotheke. Nicht immer auf der Liste haben Patienten jedoch Medikamente, die sie im Rahmen einer Selbstmedikation anwenden. Drei Beispiele: Sind beim Patienten beispielsweise Pollenallergien bekannt? Dann sollte auch das bisher verwendete Antiallergikum mit auf die Reise gehen, denn die Blühzeiten der Pflanzen unterscheiden sich regional. So können diese zu Hause bereits vorüber sein, während sie am Urlaubsort noch anstehen oder anhalten. Ein Blick auf eine Pollenwarn-App schützt vor Überraschungen.
Reagiert der Magen rasch gereizt – ob auf Reisestress oder kulinarische Genüsse –, sollte auch dafür vorgesorgt werden. Infrage kommen hier Antacida (zum Beispiel Riopan® oder Talcid®), Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol (etwa Omep®) oder Pantoprazol (etwa Nexium® Control), aber auch pflanzliche Zubereitungen mit Kamillenblüten, Kümmel und Pfefferminze (zum Beispiel Iberogast®).
Wer zu trockenen Augen neigt, reagiert bei geringer Luftfeuchtigkeit häufig mit trocken-gereizten Augen – auch am Urlaubsort. Als mögliche Verursacher kommen dabei nicht nur Klimaanlagen in Fahrzeugen und/oder Hotelzimmern infrage, sondern auch eine geringe Luftfeuchtigkeit im Freien. Daher sollten auch befeuchtende Augentropfen im Gepäck sein, zum Beispiel mit Dexpanthenol (etwa Bepanthen®), Hyaluronsäure (etwa Hylo Comod® oder Artelac Complete®) oder Malvenextrakt (etwa Visiodoron Malva®).
Nicht zuletzt empfehlenswert: ein Lärmschutz (wie Ohropax® oder Lärmstop®), damit ruhigen, erholsamen Nächten nichts im Wege steht.