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Ärzteschaft 
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Reinhardt für Primärversorgung und Zuwachs aus dem Ausland

Wohin zuerst bei einer Erkrankung? Dies soll die sogenannte Primärversorgung regeln. Für die Umsetzung ist ausländisches ärztliches Personal unverzichtbar, sagt Ärztepräsident Reinhardt. Und er stellt sich damit gegen Forderungen der AfD. 
AutorKontaktdpa
Datum 28.08.2026  11:30 Uhr
Reinhardt für Primärversorgung und Zuwachs aus dem Ausland

Patientinnen und Patienten sollen aus Sicht von Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt vor einem Besuch bei fachärztlichem Personal zunächst die Hausärztin oder den Hausarzt aufsuchen. Wer dies nicht tue, solle einen Nachteil spüren, sagte Reinhardt der Funke Mediengruppe. Es gehe dabei nicht zuerst ums Geld, betonte er.

»Wer sich nicht an sinnvolle Spielregeln hält, sollte erleben, dass er im Zweifel länger wartet als jemand, der genauso krank ist, aber die Spielregeln eingehalten hat«, erklärte Reinhardt. »Am Ende kann auch die Frage nach finanziellen Mechanismen stehen.«

Einschnitte für alle spürbar

Die Einschnitte des Beitragssatzstabilisierungsgesetzes würden für alle spürbar sein, prophezeite Reinhardt. »Ärzte werden stärker hinschauen müssen, wer die Versorgung im Krankheitsfall vordringlich benötigt«, sagte er. »Jenseits dessen führt ein System, in dem Behandlungsfälle in dieser Dimension nicht mehr bezahlt werden, zu Einschränkungen. Das fängt bei Leistungen an, die nicht unmittelbar zur medizinischen Versorgung gehören.«

Mit einer stärkeren Primärversorgung könnten Wartezeiten verkürzt werden. Mit 9,7 ärztlichen Kontakten pro Patientin oder Patient pro Jahr liege Deutschland europaweit ganz weit oben. Zudem gebe es rund 220 stationäre Fälle je 1000 Einwohnende, laut Reinhardt eine der höchsten Krankenhausbehandlungszahlen weltweit. »Das sind auch Folgen unseres völlig ungeregelten Zugangs zu Gesundheitsleistungen«, sagte der Präsident der Bundesärztekammer.

Eine Warnung gegen rechts 

Reinhardt warnt vor einer politischen Instrumentalisierung des Mangels an ärztlichem Personal im ländlichen Raum. »Ärzte und Patienten in diesen Regionen haben sinnvolle und realistische Lösungsansätze verdient«, sagte Bundesärztekammer-Chef der Funke Mediengruppe. »Verunsicherung und politische Instrumentalisierung machen es nicht besser, sondern schlimmer, egal aus welcher politischen Richtung sie kommen.« Die AfD macht den Mangel an ärztlichem Personal insbesondere auf dem Land zum Wahlkampfthema. Im September wird sowohl in Sachsen-Anhalt als auch in Mecklenburg-Vorpommern ein neuer Landtag gewählt.

Im Regierungsprogramm der AfD für Sachsen-Anhalt heißt es unter anderem: »Ausländische Ärzte aber sind wegen der Sprachbarriere und kultureller Differenzen oft kaum geeignet, unsere Bürger richtig zu behandeln.« Hinzu komme oft eine zweifelhafte oder schwer einschätzbare Qualifikation bei ausländischen Abschlüssen. »Wir werden deshalb alles dafür tun, künftig nicht mehr auf ausländische Ärzte angewiesen zu sein.«

Die Forderung des AfD-Landesverbands in Sachsen-Anhalt, »Medizinstudenten statt Importärzte«, kritisierte Reinhardt. »Von solchen plakativen Zuspitzungen halte ich nichts«, sagte er. Deutschland brauche zwar ausreichend Studienplätze, müsse aber auch Ärztinnen und Ärzten aus dem Ausland die Möglichkeit geben, in Deutschland zu arbeiten.

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