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Morbus Crohn
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Reaktion auf Hefepilz kann Entzündungen triggern

Eine Immunreaktion auf den Hefepilz Candida albicans scheint in der Pathogenese von Morbus Crohn eine Rolle zu spielen, zeigt eine Studie aus Kiel. Dabei entwickeln offenbar ursprünglich schützende Immunzellen aus dem Mund krankheitsfördernde Eigenschaften im Darm.
AutorKontaktJohanna Hauser
Datum 03.09.2026  12:30 Uhr

Candida albicans besiedelt die Schleimhäute fast aller Menschen. Das Immunsystem lernt entsprechend, den Hefepilz in Schach zu halten, indem es spezifische Th17-Immunzellen ausbildet. Diese Untergruppe der T-Helferzellen spielt eine wichtige Rolle für die Schleimhautimmunität – zum Beispiel in Mund und Darm. Patienten mit der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn weisen mehr Candida-spezifische Th17-Zellen im Darm auf als Menschen ohne die Erkrankung. Aber fördern die Zellen auch das Krankheitsgeschehen, und wo haben sie ihren Ursprung? Diesen Fragen ging ein Team um Dr. Gabriela Rios Martini von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel nach und stellte die Ergebnisse jetzt im Journal »Cell« vor.

Immunzellen wandern über Mund-Darm-Achse

Für die Studie analysierte das Team T-Zellen aus Blut, Mund- und Darmgewebe gesunder Probanden und von Morbus-Crohn-Patienten. Mithilfe von Einzelzellsequenzierungen und T-Zell-Rezeptoranalysen verfolgten die Forschenden einzelne Candida-spezifische Immunzellklone zwischen den verschiedenen Geweben. So konnte das Team Candida-spezifische Th17-Zellen identifizieren, ihre Antigenspezifität bestimmen und ihre Verteilung zwischen Mundschleimhaut und Darm nachvollziehen.

Candida albicans ist der wichtigste Auslöser für die Bildung menschlicher Th17-Zellen. Die Immunantwort ist dabei auf erstaunlich wenige Antigene ausgerichtet, genauer gesagt auf Proteine, die in vom Pilz freigesetzten extrazellulären Vesikeln enthalten sind. Die Mundschleimhaut erwies sich als zentrales Reservoir dieser Th17-Zellen. Die Analysen zeigten dabei auch, dass dieselben Klone sowohl im Mund als auch im Darm vorkommen. Dies deutet laut den Forschenden auf eine enge immunologische Verbindung zwischen den beiden Organen hin.

Pathologische Veränderung der Th17-Zellen

Bei Patienten mit Morbus Crohn finden sich vermehrt solche Candida-spezifischen Th17-Zellen im Darm. Die Daten legen allerdings nahe, dass sie nicht neu im Darm entstehen, sondern vermutlich aus der Mundschleimhaut stammen.

Im Darm werden sie jedoch umprogrammiert: Die ursprüngliche Antigenspezifität bleibt erhalten, gleichzeitig entwickeln sich aber zusätzlich Merkmale sogenannter pathogener Th17-Zellen. Dies geht mit einer verstärkten Bildung entzündungsfördernder Faktoren wie IFN-γ und IL-21 sowie einer erhöhten Expression von Granzym-Genen einher. So können Th17-Zellen bei Morbus Crohn im Darm krankheitsfördernde Eigenschaften annehmen.

Ansatzpunkt für neue Therapien?

In einer begleitenden Pressemitteilung der Universität heißt es, die Ergebnisse eröffneten eine neue Perspektive auf die chronische Entzündung bei Morbus Crohn. »Das gibt uns einen konkreten Ausgangspunkt für gezieltere Therapieansätze«, sagt Seniorautorin Professor Dr. Petra Bacher. So könnten bereits vorhandene Biologika möglicherweise die veränderten Th17-Zellen gegen Candida albicans modulieren.

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